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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 305

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 305 (sequence 309)
Language
German
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300 Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. Stellung sehen wir die Schlange ein Haus, das ganz verlassen dasteht, ohne Besitzer, ohne Eigentümer, ohne Einwohner ist, beschützen. Sie bewacht das Haus, sodaß kein Dieb oder Einbrecher es wagt, es zu betreten. Ein Beispiel soll hier angeführt werden. Ein Pilger, während der Wallfahrtsfeste, ging nach Jerusalem, vergaß aber in seinem Eifer oder in seiner Zerstreutheit, vor seiner Reise Tür und Tor zu verriegeln oder zu schließen. Das Haus stand offen und wäre Dieben eine willkommene Beute gewesen. Dem war aber nicht so, denn als der Pilger heimkehrte, fand er sein Haus in größter Ordnung, es fehlte nichts, denn eine Schlange war an den Ringen seiner Türe festgebunden (Cant. r. 7, 3 und Parall.). Die religionsgeschichtliche Deutung der Stelle ist nicht ganz einfach. Man kann wohl an den chthonischen Charakter der Schlange denken, der, wie oben schon berührt worden ist, den Agadisten und dem Volke ebenso geläufig und bekannt gewesen ist, wie in der griechisch-römischen Religion. Wie sie in der letzteren Gräber behütet, so bewahrt sie hier das verlassene und schutzlose Haus des Lebenden. Es mag aber auch sein, daß die Agadisten absichtlich das Beispiel der Schlange wählten, um anzudeuten, daß die Guten, Gottergebenen selbst von einer Schlange, die das Böse, Hinterlistige im Volksglauben vertritt, beschützt werden. Im allgemeinen ist die Schlange, in der Agada, wie bei den Griechen und Römern, s. Küster 1. c. p. 108, die Vollstreckerin der göttlichen Strafgewalt. R. Abba b. Kahana sagt: Keine Schlange beschädigt einen Sterblichen, ohne einen Auftrag dazu bekommen zu haben von oben, d. h. vom Himmel (s. Eccl. r. 10, 4). Todesfälle durch Schlangenbisse sind in der Agada besonders zahlreich. Beispiele (vgl. z. B. Gen. r. 10, 8, ed. Theodor p. 79) hier genauer anzuführen, wäre überflüssig, eines beansprucht aber eine eingehendere Besprechung, denn es gehört in das Gebiet der Schlangenwunder. Ein Mann erntet im Tale. Er sieht ein Gewächs, nimmt es in seine Hände und verfertigt sich einen Kranz davon. Eine Schlange kommt herbei, der Mann schlägt sie und sie bleibt auf der Stelle tot. Ein anderer

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