Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 308)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. 299 Man soll das Horn eines Hirsches nehmen und man räuchere das Haus mit demselben, daflieht die Schlange davon (Midrasch Psalmen, ed. Buber, p. 187). Gruppe (Griech. Myth. und Rel. p. 847) weist darauf hin, daß beide, Schlange und Hirsch, chthonische Bedeutung haben. E. Küster (Die Schlange in der griech. Kunst und Religion, p. 84, Note) bemerkt: „Aber auch sonst finden wir die Schlange in mancherlei Beziehung zum Hirsch — meist in feindlicher. Schlange und Hirsch galten seit alter Zeit als einander feindliche und entgegengesetzte Naturen, s. Gruppe 1. c. 1279, Schol. Horn. IL O 47, Bekker, Theoph. de causis plant. IV. 9, und nach altem Glauben zieht der Hirsch mit seinem Atem die Schlange aus der Erde und frißt sie, gibt sie aber ohne Schaden wieder von sich, wenn er aus der Quelle getrunken hat, Friedrich, Symbolik 1859, 4, vgl. PliniusXI, 53, 115, Keller, Tierwelt I, 277." Soweit Küster. Der Agadist hat dieses Bild gewiß nicht erfunden, sondern schildert uns eine Szene aus dem alltäglichen Leben, wie er sie oft beobachten konnte. Er gibt uns den Glauben seiner Zeit und Umgebung agadisch wieder. Die Leute glaubten nämlich, daß man mit dem Geruch des Hirschhornes Schlangen verbannen oder austreiben kann. Diese Kunst war ja schon in biblischer Zeit ein Hauptfach der Zauberer. Wenn ein Haus von Schlangen heimgesucht wird, so soll man sie mit dem Hirschhorn vertreiben. Das Räuchern spielt auch im Zauber eine nicht unbedeutende Rolle. Ebenso wird noch im späten jüdischen Zauber oft gefordert, daß man Amulette oder sonstige magische Formeln auf Hirschleder schreiben soll (vgl. Ms. Adler Nr. 3832, 9. 22. 25). Die Schlange selbst tritt in der Agada in einer doppelten Eigenschaft auf. Sie hat den Charakter eines aya&oBatfjicav einerseits, und erscheint als das strafende Werkzeug der göttlichen Rache anderseits. Beide Motive sind in gleicher Weise bei Griechen, wie bei Juden anzutreffen. Das erstere in vielleicht noch schärferem Maße bei Juden als beiden Griechen. Im griechisch-römischen Volksglauben hat die Schlange die Aufgabe, einerseits das Grab zu schützen, anderseits auch den ganzen heiligen Bezirk zu bewachen, sie besitzt also die Eigenschaft eines ortshütenden Geistes. In der agadischen Dar-