Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 300)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. 291 burt erleichtern. Diese Zeremonie wird von mehreren Gelehrten in verschiedenen Abhandlungen besprochen und erläutert. Wir erwähnen den Artikel „The prenutial rite" in der Classic Review VII, 1911, p. 302; Ploss, Das Weib81, 83; Frazer, The Golden Bough I, 19 u. a. St., Jahrbücher für das Kl. Alt. 35, 93, Melusine 6, 231, Sartori, Sitte und Brauch I, 95, wo man das nötige Material vorfindet. Daselbst finden wir aber auch Belege dafür, daß man neben dem Brauch des Adoptierens noch eine andere Sitte kannte. Man legt z. B. in Bayern noch heute am Hochzeitstage eine Puppe in den Schoß der Braut oder man setzt einen Knaben auf die Braut (Ploss-Renz, Das Kind, p. 4 u. p. 7). Beide Arten sind im Midrasch vertreten. JTQp entspricht dem Adoptieren, DDTO der Puppe. Ich weiß, sagt Sarah, daß der Herr meinen Leib verschlossen hat. Weder das eine System des Adoptierens noch das andere der Puppe wird mir im geringsten Hilfe leisten. § 5. Binden und Lösen im Zauber. Trotz der Forschungen von Jirku (Abwehr der Dämonen im A. T. p. 88) und Sgheftelowitz (Das Schlingen- und Netzmotiv im Glauben und Brauch der Völker, Gießen 1912) glauben wir auf dieses Thema zurückkommen zu müssen. Dank den Arbeiten dieser und anderer Forscher sind wir in der Lage, zu erkennen, welche Rolle das Binden und Lösen im Zauber der Völker spielt. Diese Vorarbeiten ermöglichen es uns, einige Stellen in den agadischen Stellen zu beleuchten. Einige Zaubertexte sollen unsere Kenntnisse noch erweitern. Zuerst kommt die Stelle pal. Sanh. 25d in Betracht. R. Elieser ben Hyrkanos und R. Jehoschua b. Chananja befinden sich auf einer Reise nach Rom. Unterwegs kommen sie in das Haus eines Juden. Sie werden zur Mahlzeit gerufen. Da beobachten sie, daß man jede Speise erst in ein Gemach trägt, und dieselbe erst nachher ihnen gereicht wird. Sie fürchteten, daß man hier irgend eine heidnische Sitte befolge, d. h. die Speisen erst einem Götzen darreiche. Sie fragen nach dem Grunde dieses Vorgehens. Es wird 19*