Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 261)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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252 Grunwald, Aus meiner Liedersammlung. 8. Wo hört man schon rufen „R. Dowid"? „Herr David" ist mehr kowed (Ehre). Was müssen wir noch erleben! Sie thun sich schon ungarische Nähmen geben. 9. Das siderl (Gebetbuch) liegt hinter dem Ofen und sie müssen bis nein Uhr schlofen. nach dem Aufstehen Kaffee trinken. sie sagen: „Das Dawenen (Beten) wird uns nicht versti(n)ken". 10. Weil es kommen auf neie Modes, daher sagt schon keiner memodes (Gebete), von thillim (Psalter) —- wahr ich weiss — sagen sie, bekommt man Läus. 11. Das bissei Dawenen haben sie nicht in Sinnen, sie mahlen es herunter auf die Dampfmaschinen, weil sie thun sich wie die gojim (Nichtjuden) gewöhnen, bei den Dawenen die Schnauzen dröhnen. 12. Wo hört man schon rufen „Mamme"? ein weib heisst man Madame, ein Tatten heisst man Vater un dazu geht man in Theater. 13. Wo hört man e Madel rufen „Cheile?"? Bin bsule (Jungfrau) heisst man „Freile". Ein almone (Witwe) heisst man Witwe und halbiert sich mit eine Britwe (aus dem Ungar. Rasiermesser). 14. Die Sachen gehen schon keseder (in Ordnung). Wer lost ein Kind gehn in cheder (altjüd. Elementarschule)? er soll nicht lernen kein gemore (Talmud); denn hernach ist er kein ungarischer srore (Herr). 15. Wer braucht ein melammed (Lehrer) mit einen Bart, weil er lernet auf die jüdische Art? nur ein Lehrer oder ein Professer, weil er lernet als Mausche Desser (Moses Mendelssohn). 16. Die Raschi (Kommentar) ist kein Ungar, der Bier (dto) ist ein bissei jinger, zum sof (zuletzt) kommt noch Bloch über die Taure und macht daraus hunnische s'chaure (Ware).