Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 222

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 222 (sequence 226)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2638044-2638083-2638084--2210-2639584
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Grunwald, Aus Hausapotheke und Hexenküche. 217 sache der Schreckhaftigkeit. Dieses „Bleigießen" besorgen meist alte Frauen. 3. Bei schwerer Erkrankung sammelt man in der Gemeinde „Pidjan nefesch-Geld", kauft dafür ein Wachslicht von der Größe des Daumens des Kranken und vergräbt es auf dem Friedhof mit den Worten: „N. N. ist schon begraben" oder: „Dieses Licht soll N. N.'s Stelle vertreten" oder man „mißt" den Friedhof. Anschließend schreibt Herr S.: Nach Ben Sira II: Lilith geriet mit Adam, ihrem Gatten, in Streit, sie sprach das Tetragrammaton aus und erhob sich in die Lüfte. Gott sandte ihr die Engel Sanwe, Sansanwe und Samanglof1) nach, um sie zurückzuholen, mit der Drohung, falls sie nicht zurückkehre, würden ihr täglich 100 Kinder sterben. Sie erklärte, sie sei dazu geschaffen, Kinder zu gefährden; sie kehrte nicht zurück, wurde von den Engeln ergriffen und beschwor sie: „Wenn ich eure Namen auf einem Amulett sehe, lasse ich von dem betreffenden Kinde ab". Ihre Strafe besteht darin, daß von ihren Kindern, den Dämonen, täglich 100 sterben. Nach der Kabbalah sind die vier Thequfoth (Sonnenwenden) die Menses der Lilith. Zum Schutz gegen den herabfallenden Blutstropfen legt man auf alle nicht gekochten Speisen und Getränke in diesen Zeiten ein Eisenstück, denn b"r"z"l (Eisen) enthält die Anfangsbuchstaben der Namen: Bilha, Ribka, Silpa, Leah. Die Stammütter schützen vor der Mutter der schedim (Dämonen). Schriftdeuter, die jeden Bibelvers mit den Schicksalen des jüdischen Volkes in Verbindung bringen, prophezeiten das Auftreten Napoleons aus den Worten Bileams (Num. 24,23): „oj mi jichjeh etc". Die einzelnen Buchstaben stehen am 1) („Sam" in Engelsnamen vgl. NöLDEKE-Festschrift 543, der Name S"m u. a. in Anski's „Dibbuk".) Nach Schwab aus sam Gift, nach Montgomeby 268 schem (Name) und gelif der geschriebene Name. Annehmbarer erscheint uns noch immer unsere Herleitung aus dem Griechischen, vgl. Mitt. V, und Sama'el. Zur Sache vgl. Gastes, Two thousand years of a charm against the child-stealing witch (Folklore XI) bei Montgomery 26. Daselbst eine noch ältere Quelle, in der, wie Mitt. XXIV Mikhael gegen den Dämon auftritt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.