Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 176)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2638044-2638083-2638084--2160-2639534- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nacht, Der Fuß. 169 Lot (Genes. 19, 2. 3) spricht zunächst zu seinen Gästen vom Fußwaschen; ebenso wird Elieser, dem Diener Abrahams, (im Hause Betuels) Wasser zum Waschen seiner Füße und der seiner Begleiter angeboten1). Auch bei den alten Griechen gehörten Fuß waschen und Nachtlager zur ersten Pflicht der Gastfreundschaft. Die Fußwaschung wird an dem Besucher seitens der Hausdienerschaft, der Mädchen, vorgenommen. Penelope befiehlt ihren Mädchen, dem Bettler, der die baldige Heimkehr ihres Gemahls berichtet, die Füße zu waschen und das Lager zu bereiten. „Aber ihr Mägde, waschet ihm die Füße und bereitet sein Lager"2). „Diese wird, so schwach sie auch ist, die Füße waschen. Auf denn und wasche den Greis, du redliche Eurykleia"3). Bei den Rumänen in Mazedonien hat sich die Sitte des Fußwaschens bis auf den heutigen Tag erhalten, und zwar ist es die Hausfrau, die den Gästen die Füße wäscht4). Fußwaschung seitens der Hausfrau war übrigens auch unter den Juden verbreitet. Dies gehörte einst zu den ehelichen Pflichten der Frau5) eine Pflicht, die sicherlich mehr als Liebeswerbung und als symbolisch geschlechtliche Annäherung, denn als Dienst aufzufassen ist. Fußwaschen scheint überhaupt euphemistisch für geschlechtlichen Verkehr gebraucht 1) ^bjn r^m :dü m-» mizjfina y?i .n"b rnzttra «nrss bin in-nn» ma« -ra 2) 9aXXd piv &\L(pirtoXoi9attovityax£%ax&£%£d^£vvT]vv' (Odyssee,19. Gesang, v. 317). 3)?/ 68 itodag viipet 6Xiyr\7t£Xiov6cc keq üpicrig ccXX"* dys vvv ccv6z&6cc, TtSQicpQcov EvqvxXsslcc (1. C. V. 356-57). 4) Vgl. I. Nenitescu in „Manual de limba Romana de M. Dragomirescu si Cb. Adauiescu (1915), p. 115: „era obbiceiul ca femeia sa speie picioarele oaspelui/ 5) Babli Ketub. 61*. Daß darunter nicbt sklaviscbe Dienstleistung zu verstehen ist, gebt scbon daraus hervor, daß sogar der Sklave dieser Pflicht seinem Herrn gegenüber enthoben war. Vgl. Mrchilta Mischpatim: m-oy 13 Tom Nb b"n?miay bs ymiö TO^'o-ro wn *Vb:n ib ymi Nb -nfcK "JÖ0731 W. Dagegen spricht die Stelle Ketubot 61: *vbm ib rsnim,, die unmittelbar auf ib r?W\ "nüton PN folgt, deutlich dafür, daß Fuß waschung geschlechtliche Annäherung zum Ziele hat.