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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 171

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 171 (sequence 175)
Language
German
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168 Nacht, Der Fuß. Armen die Füße. Innozenz VIII. beschränkte (1484) die Waschung auf die Armen. Von der Feier der Fußwaschung in Madrid wird noch heutigen Tages berichtet, daß die Königin und der König zwölf armen Männern und Frauen die Füße waschen und küssen1). [Desgl. einst in Wien. Dr. Gr.] Nebst Zeichen der Verehrung und Gleichheit wurde Fußwaschung an bestimmten Tagen als religiöse Pflicht anempfohlen. Die talmudische Anordnung, sich für ,,den Feiertag" körperlich rein zu waschen, erklären jüdische Mystiker dahin, daß am "B'V» :nj?„ und "raff :nj?„ die Füße mit warmem Wasser rein gewaschen werden sollten2). Ganz besonders gehört Fußwaschung zu den Pflichten der Gastfreundschaft. Dem einkehrenden Gaste wird in erster Linie Wasser zum Waschen der Füße gereicht. Abraham läßt für die ihn besuchenden Gäste Wasser holen, auf daß sie sich die Füße waschen und erst nach geschehener Fuß Waschung lädt er sie zu Tische3). 1) Schlesinger, 1. c, p. 323, 24. 2) mt: Ttt2\ :"piöbn nra (-"-»nst) ibia •anpn ^ron tn^i rpbvn sirsrairo -»cb -pon D^m "-nbrn ymb ü"*5n w"y bss u*ys rwi i^n« ,mti ... ftbrfcb bito cm« nbs?» naüm mtt nnir bmn ns-mn nna n*»ba-i ra-narn -p^bi ."ds:ssn roD^a ib:n na insrm,, D^n *nb:n o-ian ym^ -iura ^nan, ... yicbiro d^zl mrtttm (rara 'cto n"biö) ."nrj im-» 'dt -p^n. 3) 1 M. 18,4. Diese Fußwaschung hat zunächst ihren leicht erklärlichen sanitären Grund. Dem Wanderer, dessen Füße „ ermattetu sind, (3, 5 p"tt m:m ,N*rP iTAicn* „mmp vban,,) tut eine Fußwaschung gut. Auf die Reinhaltung des Fußes wird überhaupt Gewicht gelegt. Schon die heilige Schrift befiehlt, daß ein Waschbecken aus Kupfer im Stiftzelte errichtet werde, damit Aron und seine Söhne sich Füße und Hände waschen, so oft sie das Stiftzelt betraten, auf daß sie nicht sterben (2 M. 30,18—20). Der schmutzig gewordene Fuß darf daher sogar am Fasttage gewaschen werden. Dies im Interesse des allgemeinen körperlichen Wohles. Denn „besser ist ein Tropfen kalten Wassers morgens und das Waschen von Händen und Füßen mit warmem Wasser abends als alle Augensalben der Welt," lehrt der Arzt Samuel (Sab. 108b). Vgl. Kraxjss I, 209 u. 667, A. 4 u. 10, wo aus Seneca zitiert wird, daß auch die Römer sich täglich nur Hände (brachia) und Füße (crura) zu waschen pflegten. Die agadische Deutung geht dahin, daß Abraham die ihn besuchenden Gäste für Araber hielt, die sich zum Staube ihrer Füße bückten, als Symbol, „der Mensch kommt von der Erde und kehrt zur Erde zurück" (y"^) 'w "nbjsn -nna irwtt» y^n ie?i pnN„.

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