Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 173)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Nacht, Der Fuß. rechten Fuß und mit der linken Hand den linken Fuß am Knöchel berühren1). Dem Lehrer den Fuß umarmen ist gleichsam eine Einladung zum Vortrage2). Umarmung des Fußes ist bei den Indern bei bestimmten Feierlichkeiten üblich. Die Hindu schwören auf eine Abschrift des sanskritischen Haribans oder mit Ganges-Wasser in den Händen oder indem sie die Füße eines Brahaminen berühren3). In der Bibel bedeutet Fußumarmung inbrünstiges Flehen. Der Fuß des göttlichen Mannes wird umfaßt, um der an ihn gerichteten Bitte Nachdruck zu verleihen4). Mitunter erfolgt zu diesem Zwecke das vollständige Sich-Niederwerfen vor die Füße oder das Lecken der Schuhe und der Erde von unter den Füßen des Angeflehten. Esther wirft sich vor den Füßen des Königs nieder, um die Rettung ihres Volkes zu erflehen5), während Mordechai sagt: „Ich würde die Schuhe des Haman lecken, um meinem Volke zu helfen"6). VI. Wie der Fußkuß so ist auch Fußwaschung Ausdruck der Dankbarkeit und Verehrung. Einem anderen den Fuß salben 1) Glaser, Der indische Student, ZDMG. 1912, p. 24, 25. 2) „Der umfaßt pflichtschuldig die Füße des Lehrers und lädt zum Beginn des Vortrages* (1. c. p. 19). Ebenso umfaßt der Schüler die Füße der Personen, welche ihn auf Geheiß des regelmäßigen Lehrers unterrichten (1. c). 3) Westermarck, Ursprung usw. II, S. 101. 4) (t"d 'n 'n o-obfc) aib:nn ptnm 'an tttn ba »am,. Dagegen wird der Ausdruck ttO-D "H 82 Ü8« öBKWä:« uttil V9 von den Über- — T T T T " frommen gebraucht, der sich einbildet bei Gott in großen Gnaden zu stehen und bei ihm alles erwirken zu können, vgl. Bernstein 1. c, s. v. Ä"P-Nn-NB. Auch die Rumänen kennen diesen Ausdruck: „a apuca pe Dumnezen pe picior" (= Gott an den Fuß fassen) dem lateinischen: „atingere digito coelum". Vgl. Staüreanu, Dictionar latin-roman, p. 96. 5) Ester 8,3. Vgl. auch den 214. Brief des Amarnafundes, wo es u. a. heißt: An den König meinen Herrn: „Dein Diener, der Staub deiner Füße, zu Füßen des Königs sieben und siebenmal falle ich" (Fbuchtwang, Monatsschr. f. d. W. d. J. (1897) p. 458. 6)?b«-iizp -p» nanisn hy färb mnniö« ab «ton ^jk To iD3nÄ :a"73 rry©1» yyi ('n nm -ir.0K) "rbn byyn irn*n ^mb *o "isnbi -pb:n; auch Krauss 1. c. III, p. 10, A. 86.