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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 168

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 168 (sequence 172)
Language
German
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Nacht, Der Fuß. 165 Nebst Lehrern werden ältere Geschwister durch pflichtgemäße Fußküsse verehrt. Nach den heiligen Büchern des Hindus müssen die Füße der älteren Brüder und Schwestern geküßt werden, je nach der Zahl der Jahre, um die sie älter sind1). Das Küssen des Fußes ist Ausdruck der Dankbarkeit, ein Brauch, dem Menschen wie Teufel in gleicher Weise huldigen. Ein Mann küßt den Lehrer Rabbi Jonatan auf den Fuß, weil er zu seinen Gunsten intervenierte2). Dasselbe tut Satan. Er küßt einen Talmudlehrer auf das Knie, weil er der von Satan erhobenen Anklage gegen Job reine, gottgefällige Motive zuschrieb3). Auch die Fußspur wird als Zeichen der Dankbarkeit, der Liebe und Verehrung geküßt. Der Prophet Jeremia küßt die Fußspuren der ins Exil wandernden Juden (Pes. rabb. 131b). Ebenso läßt sich der Apostel der Legende kopfüber aufhängen, „that he might kiss that part of the cross, where the heels of his Master hat been"4), während Alcharizi (nach Heine) von Jehuda Halewy singt: ,,Alle Sänger führen im Munde sein Wort — Und küssen seiner Füße Ort"5). Wie der Fußkuß bedeutet auch die Umarmung des Fußes Verehrung und Dankbarkeit. Die Einwohner von Madagaskar drücken ihre Dankbarkeit in folgender Form aus: Sie umfassen die Beine oder berühren die Knie und Füße der Person, der sie danken6). Ganz besonders ist Fußumarmung ein Zeichen der Dankbarkeit und Ehrung. Lehren unsere Weisen, daß „man sich mit der Erde ihrer (der Lehrer) Füße bestäube", so gilt bei den Indern folgende Sitte: „Jeden Morgen soll der Schüler sich dem Lehrer achtungsvoll nahen, ihn begrüßen, seine Füße umarmend. Mit gekreuzten Händen soll er die Füße des Lehrers umarmen, nämlich mit der rechten Hand soll er den 1) Vgl. Westermarck, Ursprung usw. I, 504. 2) (n"d "p-^-np -Bbcn'») tf-,n: ltan -nbm pa:v 3) (T"a s"3) .Vrmnb mpuMi "p© ans,,. 4) Vgl. Low, 1. c. 5) Ahnlich bei Heine: „Er hat mich zu ihrem Hause geführt — Ich küßte die Steine der Treppe — Die oft ihr kleiner Fuß berührt — Und ihres Kleides Schleppe." 6) Ellis, Madagaskar I, S. 258 (bei Westermabck II, 137).

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