Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 166)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nacht, Der Fuß. 159 Drei Glieder des Körpers sind es, um die der Mensch Gott bitten sollte, daß sie ihm bis in sein Alter ihren Dienst nicht versagen mögen: „Die Augen, der Mund und die Füße"1). Die alten Hellenen pflegten, die Hilfe anderer verschmähend, ihre eigene körperliche Vollkommenheit hervorzuheben, indem sie sich auf ihre gesunden Organe „Augen, Ohr und Füße" beriefen. „Und der göttliche Mann Theoklymenus gab ihm zur Antwort: Keineswegs bedarf ich, Eurymachos, deiner Geleiter; denn du siehst, ich habe noch Augen, Ohre und Füße"2). Nebst der geistigen und körperlichen wird auch die ökonomische Stärke durch den Fuß symbolisiert. Die rechtliche Aneignung eines Grundstücks erfolgt durch das Hinsetzen des Fußes (resp. Gehen) auf dasselbe3). Der Besitz gibt dem Menschen Sicherheit, erhält ihn aufrecht, „stellt ihn auf die Füße"4). dasselbe besagt, nämlich, daß in den Füßen die Kraft des Menschen zum Ausdruck kommt. Dagegen bedeuten "bSTO"» ^21123 btö "jmb^ -lEBfnn:, TTDIO) und viele ähnliche Ausdrücke im Talmud u. Midrasch moralischen wie körperlichen Verfall. Viele diesbezügliche Redewendungen kennt besonders (wie Aigremont, S. 1 aufmerksam macht) die deutsche Sprache. So z. B.: keinen Fuß gewinnen, festen Fuß gewinnen, bekommen, halten; auf fremden, eigenen Füßen stehen; auf die Füße kommen (= stark werden), von den Füßen kommen (= schwach werden); auf schwachem, hohem, vertrautem Fuße leben oder stehen; mit einem Fuße, mit beiden im Grabe stehen. Vgl. übrigens dazu: nniii t"pby% urntt (Prov. 5,5). 1) bsis -psn msri -»r^ ^rtnia m:pT br bbsnnb ms T^22» ttnbm '-in ssa, :n":p rüa DJ nan (yptt Sttinrn) "n-obrTO vbim. 2) Odyssee, 20. Gesang, v. 362—65: „zbv davzs TtQOöhirts ©soxlv^isvog d'sostdrjg 1Lvqv{lcc% ovzi e'ccvaycc i^oi 7C0^i7tiiag öndl-siv siöL [lol öcp&ccXnoL zs Ttecl ovaxcc xal nodsg aftqp©". 3) (s 'p n"n) tfn:p bi mioa ^ibrt r:n 'di ^bnnn Dip. Ebenso nach altdeutschem und römischem Bechte. Vgl. Schlesinger, 1. c, p. 449—50. Daher „der lateinische Ausdruck ,possessio' von pedes sitio". 4) avb:n hmj itwK'ü ms biö mm m Dmbjna "no« mp^m, (ü'^p D^nDs). Vgl. auch das russische Sprichwort: „U muzika grud, nikogda nie zgabniet, u zida piatki", „der Bauer friert in der Brust, der Jude in den Fersen", d. h. der Jude steht nicht still, geht geschäftlich