Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 161)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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154 Nacht, Der Fuß. „0 Rhythmus, Musik eines schönen Ganges, nur wenige sind deiner teilhaftig"1). IV. „Die stete Verbindung des Fußes mit dem Erdboden führte in dem äußeren Zusammenhang einen sinnbildlichen Zug, der sich in der Mystik tief eingrub. Die Fruchtbarkeit der Allmutter-Erde liefert ihren Segen in den Fuß, der wiederum als Übergang zum Bein, Sehenkel, Lende oder Hüfte das Lebensweckende auf diese Gliedmaßen verpflanzt'c 2). Die Worte Jacobs an Laban: „Und Gott segnete dich meinethalben (u*brb„)s) erklärt die Agada dahin: „Die Füße Jacobs bewirkten Fruchtbarkeit unter den Schafen Labans." Es gibt Menschen, deren Füße geweiht und segenbringend sind4). Dieser Art war auch der Fuß Jacobs. Doch zunächst ist es der Fuß der Frau, der Segen und Fruchtbarkeit bringt. In diesem Sinne singt das venezianische Volkslied von der Frau5): „Wohin dein Fuß tritt, beginnt's sofort zu blühen" und im Lied der Morgenröte: „Blumen sprossen — Hingegossen — Wo ihr zarter Fuß geschwebt"6). Ebenso beginnt der Aeolbaum, wie die indische Fabel berichtet, so- 1) Th. Vischeb, Die Mode, „Nord u. Süd' 1878. 2) Schlesinger, 1. c. 3) mrnnbi n-nonb .spy buj ibsn m -oa-ib ^ma 'i -prpi,, b^ Fimim .mn nminto Di** b:n w -jndto .-pb b\D (iub p*nD K"-n -»pnB) SroiM np^->. Yon .gesegneten Händen" erzählt der berühmte Chirurg Prof. Dr. A. Lorenz „Reisebriefe aus Amerika* N. F. Pr. Nr. 20724 (11. Mai 1922): „Gelegentlich einer Audienz im königlichen Schlosse zu Madrid sagte die Königin plötzlich aus der Konversation fallend: „Geh'n S', Herr Professor, lassen S* mich Ihre Hände anscbau'n." Ich zog lachend meine Handschuhe aus und die Königin legte vergleichend ihre schmale, feine Frauenhand auf die meine: „So was Besonders kann ich nicht d'ran finden", sagte sie, „aber das laß ich mir nicht nehmen, es ist was dran an dem Glauben um gesegnete Hände." 4) Vgl. Lamprecht, Porträtgalerien, S. 216: „Kaiser Wilhelm II. nannte das Palais Kaiser Wilhelm I. unter den Linden ,eine geweihte Stätte* und den Fuß des Kaisers: ,den geweihten Fuß'Ebenso Pyrrhus, der König von Epirus, dessen Fuß Kranke heilte (Plin. Plut.). 5) Bockle, Das Weib im Volkslied, p. 228, 229. 6) Bei Heeder , Bd. II (ed. Kurz) , p. 162; auch im ßecueil de Romanes (1767) p. 109.