Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 154)
- Language
- German
- Belongs to
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Nacht, Der Fuß. 147 Sira1). Ebenso Balzac: „Wie der Mensch geht, so ist er", während eine Grabschrift von der römischen Frau sagt: „Sie war von edler Rede und edlem Gange"2). Ja, es „kommt nicht nur auf den ersten Schritt an", sondern darauf, wie der Mensch überhaupt geht, und zwar ist dies in geschlechtlicher Beziehung von Bedeutung. Es ist bekannt, daß manche Männer durch den hinkenden Gang oder durch einen /wedelnden' Gang der Frau in starke Erregung versetzt werden können. Der merkwürdig unbeholfene Gang der Chinesinnen, der durch die verkrüppelten Füße erzielt wird, gilt als außerordentliches Stimulationsmittel für den Chinesen. Es ist eines jener Motive, welche die Sitte, die Füße zu verkrüppeln, wohl nie aussterben lassen. Die erotischen Inder genießen in dem Gang der Lotosäugigen ein außerordentliches Stimulationsmittel. So schwärmt in Kalidasas Drama der König voll verliebten Wahnsinns von dem Gang seiner Urvasi: „Die Götterschöne, die vor ihrer Hüften Wucht langsam gehen muß! Die Zarte, mit dem Gang des Schwans". (Aigremont, p. 26)3). Doch ist der Gang des Menschen auch in anderer Hinsicht von Wichtigkeit. Es gibt nicht nur eine Sprache der Gebärde, die Mienen des Gesichts und der Hände umfassend, es gibt auch, wie von Suttner sagt4), eine Gebärdensprache des ganzen Kör- 1) Ben Sira 19,28: wm> -Dr "obrtazn ismbn cv 2) Mommsen, Rom. Geschichte 1,56. Uber den Zusammenhang zwischen „edler Rede und edlem Grang" vgl. weiter S. 148, A.4 u. S. 149, A. 1. Über den keuschen Gang römischer Frauen im allgemeinen erzählt auch Beatom (bei Aigremont, 1. c. p. 33): „In früheren Zeiten hatte ein schöner Fuß so viel Verführerisches, daß viele keusche römische Damen ... das größte Bedenken tragen, ihn wie das Gesicht zu zeigen, und daß sie ihn, so sehr sie können, unter ihr kleines Kleid verbergen, damit man ihn nicht sehe, auch ist ihr Gang so zurückhaltend und gemessen, daß er nie unter dem Kleide sichtbar wird", 3) Siehe auch .tfrrabtt> Enpb% von Dr. S. Rubin, S. 84. Dip ^:n„ "tikd rn:n trotts^n robn ^s-m in o^KSitt rra-a^fr -nrnm. 4) In einem ihrer Aufsätze, dessen nähere Angabe mir augenblicklich nicht möglich ist. Vgl. auch Goldziheb , über Gebärde u. Zeichensprache usw.; Zeitschr. für Völkerpsych. 16, 369—386; W. Wundt, Völkerps. 190öfl, 131,238; bei Kkauss IH^ 24M£. 50. (Vgl. »Theorie \ io*