Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 153)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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146 Nacht, Der Fuß. gepudert, so daß man im ersten Augenblick die Illusion eines Strumpfes hat, der so fein und durchsichtig ist, daß er kaum noch als Strumpf wirkt. Es ist höchstens ein ,nackter Strumpf, wie der Witz unserer Feldgrauen, nicht gerade logisch, aber doch treffend die neue Mode bezeichnet. Die Mode ist jedenfalls sehr praktisch. Nicht nur wegen der Hitze. Auch aus Schönheitsgründen. Strümpfe von der feinen Durchsichtigkeit wie die Bukaresterin sie gewöhnt ist, sind kaum noch zu haben. Und den häßlichen dicken Ersatz-Strumpf duldet ihre Eitelkeit nicht. Deshalb trägt sie lieber keinen Strumpf, als einen häßlichen. Und er sieht wirklich niedlich aus, wenn er niedlich ist"1). Kurzum, die unanständige Kleidung wie Gangart der Frau fordert den Protest der jüdischen, wie nichtjüdischen Moralprediger heraus, ebenso wie sie dem Schriftsteller manch beißende, spöttische Bemerkung entlockt. Ist es somit zunächst die Frau, die zu anständiger Gangart angehalten wird, so ist das Gehen überhaupt für jedermann charakteristisches Merkmal nach der guten wie nach der schlechten Seite hin. „Auch im Fuße kann sich, wie in der Hand, der Charakter eines Menschen ausdrücken"2). Zumal im Gehen. „An der Art seines Gehens merkt man den Toren," sagt Kohelet3). Auch den Freund4). „Den Menschen überhaupt", lehrt Ben 1) Pester Lloyd Nr. 163 (1918). Übrigens weiß auch die Nachkriegszeit von dem „nackten Strumpf41 zu erzählen. In einem „Sparmoden11 überschriebenen Artikel schreibt „Neues Wiener Journal'4 (28. Mai 1922, Nr. 10256) u. a.: „Die enorme Preissteigerung der Strümpfe zeigt ihre Auswirkung bereits darin, daß die Damen selbst bei Spaziergängen in der Stadt auf das unverhältnismäßig kostspielig gewordene, dabei gar nicht haltbare Gewirk zur Bekleidung der Beine verzichten. Ein hübsch geformter Knöchel, auf den der Sonnenbrand den Strumpfersatz schön braun gemalt hat, sieht gar nicht unästhetisch aus, wenn ein netter Schuh den Gesamteindruck vollendet; der Anblick wird nur, wie beispielsweise bei den barfußgehenden Bauernmädchen auf dem Lande zur Gewohnheit werden müssen, um widerspruchslos anerkannt zu werden." 2) Prof. Dr. Benzigkeb, Berliner Tageblatt, Nr. 459 (1917). 3) Kohelet 10,3: u»irs bso bsb "VDifcO ... -bin bDoniöD ^T-n üz\. 4) Vgl. Sam. II, 18, 26 (unten S. 151, A. 5), dem die Stelle in Jul. Caesar (act I, scene III) entlehnt ist: „I do know him by his gait; He is a fraind*.