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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 139

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 139 (sequence 143)
Language
German
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136 Nacht, Der Fuß. vom „zarten Schuh" der Sun-Jaou-Hing noch vom kleinen „Schuhchen" des jüdischen Volksliedes wissen. Für sie ist die einzige schickliche Form für die ästhetische Ausführung des Tanzes der natürliche „nackte Fuß". Als sie einst gefragt wurde, warum sie mit nackten Füßen tanze, erwiderte sie: Sie hätte ein religiöses Gefühl für die Schönheit des menschlichen Fußes. Auf die Entgegnung der Fragestellerin, daß sie dieses Gefühl entbehre, antwortete die Duncan: „Dieses Gefühl müsse jeder besitzen, denn der Ausdruck des Fußes ist einer der größten Triumphe, den die menschliche Entwicklung aufzuweisen hat1). Ja, ein klassisch gebauter nackter Menschenfuß ist in der Tat ein herrliches Gebilde, und verdiente öfters modelliert zu werden"2). Von religiösen Tänzen erzählt uns schon die Bibel3). Und Heine sagt: „Tanzen war ein Gottesdienst, ein Beten mit den Beinen"4). Der Talmud kennt verschiedene Tanzarten. Unter diesen wird "p£p„, springen, als eine Tanzart erklärt, wobei man beide Füße „mit einmal vom Boden reißt" OpJ?), während "T!p1„ eine Tanzart bedeutet, wobei man einen Fuß bewegt und den andern setzt. An einer anderen Stelle wird auch von einem Tänzer und seinem infolge seines Berufes eigentümlichen Fußwuchses berichtet: „Die Füße des Minus, als eines berufsmäßigen Tänzers, waren anders geartet als die der anderen Menschen"5). Doch gilt die Entblößung des Fußes beim Tanzen, ja schon die Entblößung der Ferse allein, als unanständig. Diese teilweise Entblößung scheint schon im Altertum üblich gewesen zu sein, und zwar auch bei religiösen Tänzen. Daher die Rüge, die Michal dem vor der zurückgekehrten heiligen Lade tanzenden David erteilt: Mein königlicher Vater, bei dem 1) 3,177 y-D apuh n«o ttc-ini-r -»wrr. 2) Barfußgehen von Prof. Dr. L. Bbieger, Berl. Tageblatt Nr. 459 (1917). 3) Siehe die Bibellexica. 4) Heine, Atta Troll, cap. VII. Ebenso sagt Hugo Wittman, N.Fr.R, Nr. 20701 (1922) in seinem Feuilleton: „Im Paradiese der Erinnerung" von der berühmten italienischen Tänzerin Taglioni: „Ihr Tanz war ein Gebettt. 5) Kraüss, 1. e. III, p. 102.

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