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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 138

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 138 (sequence 142)
Language
German
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Nacht, Der Fuß; 135 Frau einnimmt, desto kleiner sollte ihr Fuß sein. An diesem Kleinwerk arbeiteten große französische Frauen unermüdlich. Die Kaiserin Eugenie hatte „erstaunlich kleine Füße" und doch war sie, wie Sara Bernhard berichtet, immer wieder darauf bedacht, sie noch kleiner zu machen1). Der schöne kleine Frauenfuß war dem Franzosen zu allen Zeiten ein Zauber, dem er sich nicht leicht entziehen konnte. So bricht Vivant Demont, der Begleiter Napoleons nach Ägypten, beim Anblick eines kleinen Fußes einer in Theben aufgefundenen Mumie in folgende Bewunderungsworte aus: „G'est le pied d'une jeune femme, d'une etre charmant; aucune ehaussure n'en altera les formes parfaites"2). III. „Wie sollte ich ihren leichten göttlichen Tänzen feind sein oder Mädchenfüßen mit schönen Knöcheln?" sagt Zarathustra von den tanzenden Mädchen3). Der Tanz gibt den Füßen eine bestimmte ästhetische Form, „Tanz, der du Gesetze — Unsern Füßen giebst", singt Simon Dach4), während es bei Schiller heißt: „Siehe, wie schwebenden Schrittes in Wellenschwung sich die Paare drehen, den Boden berührt kaum der geflügelte Fuß"5). Ein chinesischer Dichter besingt den „Winzigen Fuß" der Tänzerin Sun-Jaou-Hing6). Der „winzige Fuß", der „kleine Schuh", wird auch im jüdischen Volkslied als für den Tanz geeignete Form gerühmt: „Wie nett ist dein Füßchen, wie schön bist du im ganzen — Wie klein ist dein Schuhchen, wie fein kannst du tanzen" 7). Dagegen will die bekannte Tänzerin Isodora Duncan weder 1) Memoires p. 182: „L'imperatrice Eugenie avait des pieds e'tonnement petits et les voulait encore plus petites*. 2) A. France, la reVolte des anges, p. 64. 3) Nietzsche, Zarathrustra, S. 156. 4) Herder, Bd. II (ed. Kürz), p. 316. 5) Schiller, Der Tanz. 6) Goethe, Bd. 12, S. 631. 7) Nadel, „Der Jude" von M. Btjber, Nr. 12 (1917) S. 844 (s. oben S. 132).

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