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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 137

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 137 (sequence 141)
Language
German
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134 Nacht, Der Fuß. setzen die Füße ihrer Mädchen der größten Gefahr aus, um ihren Wuchs zu hindern1) und jene kleinen Frauienfüße zu formen, die von den chinesischen Dichtern ,,goldene Lilien" genannt werden. So singt der Dichter von der chinesischen Tänzerin Sun-Jaou-Hing: „Auf Wasserlilien hüpftest du — Wohl hin den bunten Teppich — Dein winziger Fuß, dein zarter Schuh — Sind selbst der Lilie gleich", wozu Goethe2) die Bemerkung macht: „Von ihren kleinen goldbeschuhten Füßchen schreibt sichs her, daß niedliche Füße von den Dichtern durchaus goldene Lilien genannt werden; auch soll dieser ihr Vorzug die übrigen Frauen des Harems veranlaßt haben, ihre Füße in enge Bande einzuschließen, um ihr ähnlich, wo nicht gleich zu werden. Dieser Gebrauch^ sagen sie, sei nachher auf die ganze Nation übergegangen". Jetzt ist allerdings „dieser Gebrauch" in China nicht mehr so „gebräuchlich". In neurer Zeit, so berichtet Paul Rohrbach3), bildete sich in China ein Bund der „Himmelsfüße", der zum Programm hat, die Füße der Mädchen so zu lassen, wie sie der Himmel geschaffen hat, daher der Name des Bundes. Doch mögen die modernen Chinesinnen fortan den „Himmelsfüßen" huldigen, die moderne Französin hält es noch immer mit dem „irdischen Fuße", richtiger „Füßchen". Sie sieht nach wie vor im „kleinen Fuß" den größten Frauenreiz. Um dieses kleinen Fußes willen ist keine Qual groß genug. Ein französischer Schriftsteller meint, der tollkühne Römer, der seine Hand furchtlos ins Feuer steckte, würde tausendmal vor den Qualen zurückschrecken, denen sich die französische Frau preisgibt, um den Wuchs ihres Fußes gewaltsam zurückzuhalten4). Je größer der Rang, den eine 1) „Les meres chinoises torturent les pieds de leurs filles pour les empecher de croitrett (Alfons Cakr, Voyage autour de mon jardin, p. 323). 2) Bd. 12 (ed. Kunz), S. 631—32. 3) Weltpolitisches Wanderbueh (1916) S. 200. 4) „On ne sait pas tont ce qui une femme francaise souffre de torture et avec quel courage eile les endure pour diminuer son pied d'une ligne et demie. Le Romaine qui brala sa main au-dessus d'un brasier aurait päli si on l'avait mis a une semblable £preuvetf (Alfons Cabr, 1. c. 323).

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