Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 140)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nacht, Der Fuß. 133 Wie fein kannst du tanzen"1). Der große, breite Fuß gilt als häßlich. Einen Ehegatten, der mit seiner Frau nicht in Frieden lebt, meint der sich ins Mittel legende Rabbi dadurch versöhnend zu stimmen, daß die Frau vielleicht schöne Füße hätte. Nein, ruft der aufgeregte Gatte: „Ihre Füße sind platt, wie die einer Gans"2). Noch mehr aber als der Mann ist es die Frau, die den großen Fuß nicht gern sieht. Jean Paul, der den Knaben „barfuß" durch seine Morgenwelt spazieren sehen möchte, ähnlich den antiken Helden, die man nur mit nackten Füßen darstellte, meint: „Ich kenne den Jammer darüber, nämlich die weibliche Ängstigung, daß Füße ohne Schuhe sehr leicht so groß wachsen könnten, als die Natur nur haben wollte." Die Geschichte der Mode weiß viele Beispiele aufzuzählen, wo die Frau, um die Schönheit des Fußes zu retten, geradezu gegen die Natur ankämpfte. So glaubt der Ästhetiker Fr. T. Vi scher (in seinem Auf satze über die Mode „Nord u. Süd", 1878), daß das „Stockei für den natürlichen Wuchs des Fußes verderbliche Folgen hätte. Das Stockei hat sich erhalten, der hohe Absatz verstärkte eine Linie, die unzweifelhaft schön ist. Häufiger als beim männlichen findet man beim weiblichen Fuße den schwungvoll gehobenen, also hohlstehenden Rist. Diese Wölbung weist auf elastischen Gang, auf Anlage zur rhythmischen Bewegung, zu schwebendem Tanz. Das häßliche Gegenteil ist der Plattfuß. Aber ist es denn nicht besser, wenn organische Wohlbildung sich geltend macht, ohne die lügnerische übernatürliche Nachhilfe mit all ihren Beschwerden und Gefahren"? Noch weiter treiben es die Chinesinnen in der Bekämpfung des natürlichen Wuchses des Fußes. Chinesische Mütter 1) Arno Nadel, jüdische Volkslieder (Der Jude, h. von Martin Buber, 1917, S. 844). 2) nr-ran yy\ "n» b»D msni?m*M rrbyi »otd„ V'o D^na •riüm vmois,, :n"tt. yyi Krauss, 1. c. I, 246—49. Ähnlich, allerdings in entgegengesetzter Absicht, spricht die Amme zu Juliet von dem unschönen Fuß des Romeo: „Well you have made a simple choice; you know not how to choose a man: Romeo! no, not he; though his face be better tban any man's, yet his leg excels all menV (Shakesp., Romeo and Juliet, act II, scene V).