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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 122

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 122 (sequence 126)
Language
German
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120 Löwinger, Die Auferstehung in der jüdischen Tradition. In der Agada wird die Lilie als Bild der Auferstehung gebraucht1), aber bei Nichtjuden findet sich die Sichel auf den Grabsteinen als Symbol der Auferstehung2) und in koptischen Kreisen galt der Phönix als Sinnbild der Auferstehung. Er ist in dieser Bedeutung ebenso wie der Pfau in die christliche Bildersprache übergegangen, in welcher er dann als der aus seiner Asche zu neuem Leben erwachende Phönix weiterlebte3). Mit dem Beginne der Reformen wurden in manchen jüdischen Gemeinden aus dem Ritus alle Gebete und Gebräuche weggelassen, welche zur Auferstehung in Beziehung stehen. So nahm die erste Reformgemeinde in den Vereinigten Staaten, Charleston, schon im Jahre 1824 in ihr Programm auf, daß sie u. a. die leibliche Auferstehung leugne. Die Rabbinerkonferenz in Philadelphia deklarierte, daß die Auferstehung des Körpers keinen Grund im jüdischen Glauben habe und ihren Platz in der Liturgie der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele einnehme4). Andere Völker: Außer den Persern, die einen Homa benannten Trank hatten, der bei der Auferstehung lebendig macht, und den Ägyptern, von denen bereits die Rede war, wird noch ein Stamm Yara erwähnt, die Mondwasser tranken, um auferstehen zu können5). Die Marokkaner legen die abgeschnittenen Nägel an einen bestimmten Ort, da sie bei der Auferstehung alle Körperteile beisammen haben wollen6). Die Bewohner der Insel Sorna! (Philippinen) haben die Sitte, dem Toten eine Toten einen Zweig von zwei oder drei Spitzen zwischen die Finger zu legen pflegt, um anzudeuten, daß er beim Leben mit einer dreispitzigen Gabel gute Speisen verzehrte, jetzt eine hölzerne Gabel hat, die verfault, wie der Körper verwest. Die Sitte hätte demnach mit der Auferstehung nichts zu tun. 1) I. Low, Sösannä 164 SA. aus WZKM. 2) Ethnographia (ungarisch) 1907. III, 141. 3) Wiedemann, Der Tierkult der alten Ägypter 12. Der alte Orient XIV, 1,12. Hennecke, Neutestam. Apokr. 98. 4) Elbogen a. 0. 434. Jew. Encyelop. X, 385. Geiger, Jüd. Zeit. VII, 246. L. Low a. 0. 166. 5) Döllinger, Heidentum und Judentum 372. Ethnographia (ungar.) 1911, IV, 202. 6) Zeitschr. f. Ethnol. 1886, 680.

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