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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 107

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 107 (sequence 111)
Language
German
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Löwinger, Die Auferstehung in der jüdischen Tradition. 105 zu nehmen; andere müssen ohne Zweifel allegorisch aufgefaßt werden, und endlich gibt es solche Stellen, von denen es zweifelhaft ist, ob sie allegorisch zu deuten oder wörtlich zu nehmen seien. So ist Ezechiel 37 bildlich (mäsal) aufzufassen, weil da auch die Weisen des Talmud geteilter Meinung sind, und da steht es frei, sich welcher Ansicht immer anzuschließen1). Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, wenn man Maimuni zumutete, er leugne die Auferstehung der Toten2). Wie Saadja hebt auch er die Argumente, welche sich gegen die Auferstehung anführen lassen, hervor, um sie zu widerlegen. So sprechen mehrere Stellen in Hiob gegen die Auferstehung und in der Thora findet sich selbst keine Andeutung dafür. Will man aber in der Thora solche finden, so bleibt noch immer die Frage offen, warum es die Thora nicht ausdrücklich sagt. Maimuni beseitigt beide Schwierigkeiten. Die scheinbar gegen die Auferstehung sich aussprechenden Verse wollen bloß den natürlichen Gang der Dinge darstellen und dieser erheischt, daß der Körper verwese und nicht wieder zu demselben Körper werde. Dies meint auch der Prediger mit den Worten: Der Staub kehrt zur Erde zurück (12, 7); aber die Auferstehung ist kein natürlicher Prozeß, sondern ein Wunder und dies gehört zu den Möglichkeiten. Es läßt sich weder aus dem Naturgesetze noch auf logischem Wege erklären, es muß einfach geglaubt werden. Besonders im Falle, wo es durch die Aussage des Propheten bekräftigt wird, muß man es glauben und der Vers darf nicht allegorisiert werden. Was die Thora anbelangt, müssen wir annehmen, daß sie von Gott selbst gegeben wurde. Um im Volke den Glauben an Gott und an die Propheten zu befestigen, mußten Wunder geschehen. Diese aber konnten sich nur in Lohn und Strafe im Diesseits kundgeben, da Versprechungen für die ferne Zukunft, wie die Auferstehung, keinen Glauben gefunden hätten. Erst als schon der Glaube Wurzel gefaßt hatte, konnten die Pro- 1) Maamar techij. hammethim, Bacheb, Bibelexegese Maim. 18 behauptet, daß die zweifelhafte Stelle Jes. 26,19 sei. 2) Güdemakn, Erziehungswesen der Juden in Italien 167.

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