Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Löwinger, Die Auferstehung in der jüdischen Tradition. sinnliches Leben gewöhnt und dennoch konnte er sich dreimal vierzig Tage enthalten und lebte dabei. 8. Da die Auferstandenen ihr Wahlrecht zwischen gut und böse behalten, werden sie vielleicht auf einen bösen Weg geraten und daher das Jenseits einbüßen? Gott weiß im Vorhinein, daß die Frommen nach ihrer Auferstehung nicht in Sünden verfallen werden. 9. Haben die Auferstandenen für ihre frommen Dienste, die sie zur Zeit des Messias, d. i. nach der Auferstehung leisten werden, Lohn zu erwarten? Ja, denn jedes Verdienst darf mit Recht einen Lohn fordern. 10. Was geschieht mit denen, die zur Zeit der Auferstehung leben werden? Sollen diese auch sterben oder nicht? Und die dann geboren werden? Da sich über diese Frage weder die heilige Schrift noch die Tradition äußert, so gibt es drei Ansichten: Manche sagen, sie werden nicht sterben, da es heißt: er tilgt den Tod auf ewig (Jes. 25,8). Andere meinen, sie werden sterben und auferstehen, um mit den Auferstandenen in gleicher Reihe zu stehen, und endlich behaupten wieder andere, sie werden lange leben, dann sterben und erst in jener Welt auferstehen. Saadja schließt sich der dritten Ansicht an, da die Freuden dieser Zeit eigentlich nur jenen gelten, die die Leiden des Exils ertrugen, diese aber erleben schon die Erlösung, darum müssen sie sich mit einem langen, vier bis fünf Jahrhunderte anhaltenden Leben begnügen, um endlich das bloß geistige Leben des Jenseits zu genießen1). Maimuni: Die Stellen in der heiligen Schrift, aus welchen auf die Auferstehung gefolgert wird, lassen sich in drei Kategorien teilen: Manche, wie Daniel 12, 2, sind wörtlich 1) Em. Ved. VII, 8. Diese zehn Fragen finden sich auch in Jellineks Beth ham. VI, 148—150 und werden R. Elieser zugeschrieben, der mit R. Elieser b. Hyrkanos identisch sein soll. Bacher, Festschr. Steinschneider 224f. Einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Parallelen bildet die achte Frage. Bei Saadja ist vom freien Willen (nTnn) der Auferstandenen, hier von ihren Kindern die Rede, ob sie alle fromm sein werden. Die Antwort auf die zweite Frage bekräftigt R. Elieser mit Nach. 1,9. Ein Unglück kommt nicht doppelt. Auch in der ersten Frage läßt Saadja nur die Frommen und Reuigen auferstehen, während hier ganz Israel auferstehen wird.