Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Löwinger, Die Auferstehung in der jüdischen Tradition. 101 Die Logik rechtfertigt auch den Glauben an die Auferstehung. Wenn mehrere Stellen in der heiligen Schrift deutlich darauf hinweisen, dürfen sie nicht allegorisiert werden, da dies nur in dem Falle am Platze ist, wenn dazu ein wichtiger Grund vorliegt, sonst aber ist der einfache Sinn beizubehalten und dieser spricht für die Auferstehung. Als logischer Beweis für die Auferstehung ist auch der Umstand anzusehen, daß mancher Gedanke, der an und für sich nicht unlogisch ist, dennoch unhaltbar wird, wenn die daraus entstehenden oder sich verzweigenden Nebenumstände dagegen sprechen. Bei der Auferstehung ist ein solcher Nebenumstand nicht vorhanden. Wohl könnten manche Stellen aus der heiligen Schrift gegen die Auferstehung angeführt werden, aber nach genauer Untersuchung des Sinnes muß man zur Überzeugung gelangen, daß dort von Auferstehung gar nicht die Rede ist. Wenn der heilige Sänger sagt: Er dachte, daß sie Fleisch sind, ein dahingehender Hauch, der nie wiederkehrt (78,39); der Mensch, wie Gras sind seine Tage, wie die Blume des Feldes so blühet er (103,15), und Hiob: Die Wolke schwindet und fährt dahin, so wer in die Gruft sinkt, steigt nicht wieder auf (7, 9); der Mensch liegt und steht nicht wieder auf (14,12) usw., so will damit nicht gesagt sein, daß Gott die Toten nicht beleben werde, sondern es soll bloß die Schwäche und Hinfälligkeit des Menschen ausgedrückt werden, die ihn veranlaßt, Gott um Erbarmen zu bitten. Und in den Worten des Predigers: „Es ist wohler einem lebenden Hund als einem toten Löwen, denn die Lebenden wissen, daß sie sterben werden, aber die Toten wissen nichts und ihnen ist kein Lohn mehr, denn ihr Andenken wird vergessen" (9, 4.5), ist nicht seine eigene Meinung ausgesprochen, sondern er gibt bloß die Gedanken des Toren wieder, von dessen „Wahn" im vorhergehenden Verse die Rede ist1). Schöpfung gerne einwilligen, daß es geschlachtet und vom Menschen gegessen werde, da es dadurch ein Teil des Menschen wird. Sefer Scha're Orah 75». 1) Em. Ved. VII, 3. Bacher a. 0. 35.