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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 97

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 97 (sequence 101)
Language
German
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Löwinger, Die Auferstehung in der jüdischen Tradition. 95 Belebung der Toten festgesetzt hat, alle Toten, die sich auf fremdem Boden befinden, mit ihrem Körper neu geschaffen werden, ihre Seelen aber erst im Lande Israel erhalten. Dies gilt jedoch nur von den Frommen; die Sünder ereilt dasselbe Schicksal, welches das Geschlecht der Sintflut traf; sie werden von der Erde vertilgt (Gen. 7, 23), als stünde geschrieben: sie werden ausgelöscht aus dem Buche des Lebens, oder genauer: sie bleiben für ewig dem Tode verfallen. Dem gegenüber behauptet R. Simon, daß die Sünder am künftigen Leben wohl keinen Anteil haben, aber auferstehen werden sie dennoch, um gerichtet zu werden, denn Daniel sagt ausdrücklich, daß sie zur ewigen Schande und zum Abscheu auferstehen werden1). Ein anderer Mystiker, R. Jehuda, folgert ebenfalls aus der erwähnten Stelle des Danielbuches, daß die Sünder — wenn auch zur Schande — auferstehen werden, beruft sich aber zugleich auf Prov. 6, 22, daß die Thora den Körper vor dem Gerichte im Grabe behütet, und wenn Gott die Seelen anregen wird, um die Toten zu beleben, wird die Thora als Fürsprecher des Körpers auftreten, damit derjenige, der sich mit ihr befaßte, auferstehe und ewig lebe. Diese Auferstehung ward ein aus vier Winden zusammengesetzter Wind (Ezech. 37,9) bewerkstelligen, der zuerst die Anhänger der Thora zum ewigen Leben auferwecken wird. Demnach werden auch hier die Sünder bloß zurückgesetzt, aber von der Auferstehung nicht ausgeschlossen2). Eine ähnliche Einteilung, wie sie der Daniel-Vers fordert, gestattet auch die bekannte Äußerung Jesajas' (26,19): deine Toten werden aufleben, das sind die Juden, die auf Gott vertrauten; meine Leichen werden auferstehen, das sind die Feinde Gottes, die dem Aas (nebelah) ähnlich sind. Sie werden zum Gericht auferstehen, aber nicht leben. Die jubelnden Bewohner des Staubes sind die Frommen, die wegen ihrer Bescheidenheit mit dem Staube verglichen werden3). Die übrigens nicht konsequente Mystik ist nicht immer engherzig. Bei guter Laune läßt sie Gott nach dem Erscheinen 1) Sohar I, 69». 2) Sohar I, 175 *>. 3) Pirke R. EL 34.

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