Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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94 Löwinger, Die Auferstehung in der jüdischen Tradition. einheitliche Meinung herausbilden, die Frage Wieb in der Schwebe1). Will man am Tage der Auferstehung Gericht halten, wie Mohammed, so müssen auch die Sünder auferstehen. Daniel läßt nur viele der im Erdenstaube Schlafenden auferstehen, aber nicht alle. Unter den „vielen" will man die Frommen und die reuigen Sünder verstehen, die nach der Auferstehung ewig leben sollen. Die zu jener Zeit leben, werden nach langem Leben sterben, und die dann sterben, werden auferstehen2). Derselbe Daniel aber, der am Anfange des 12. Kapitels nur „viele" auferstehen läßt, führt im letzten Verse desselben Kapitels folgendes Gespräch mit Gott: Werde ich zur Zeit der Auferstehung auch unter den Auferstandenen sein oder nicht? Gott: Du wirst auferstehen. D.: Ich weiß, es werden mehrere Gruppen auferstehen, worunter manche fromm, andere Sünder sein werden; aber ich weiß nicht, zu welcher Gruppe ich gehören werde. Zu deinem Lose, antwortet Gott. Demnach würde Daniel auch den Sündern die Auferstehung ermöglichen3). Auch zwei Mystiker streiten über das künftige Los der Sünder. R. Aba sagt, daß zur Zeit, welche Gott für die 1) Den letzten Satz von Jes. 26,19 paraphrasiert das Targum: Die Sünder, denen du Kraft verliehest, und die deine Gebote übertraten, wirst du der Hölle übergeben. Dies will im Gegensatze zum Anfange des Verses sagen, daß die Sünder nicht auferstehen werden, und dieser Ansicht schließt sich auch RDK. an, der sich zugleich auf Dan. 12, 2 beruft. Menasse b. Israel folgert aus "prVö deine (Gottes) Toten, daß nur die Frommen auferstehen. Nischm. Chaj. 1,16, s. auch Hitzig, Das Buch Daniel z. St. 2) Ozar Midr. 388. Ein Unrecht geschieht denen, die nach der Auferstehung sterben müssen, wenn nicht eine neue Auferstehung zu erwarten ist. Daniel 12,2 soll nach Saadja bedeuten, daß nur die des Jenseits Würdigen auferstehen werden, die Sünder bleiben der ewigen Hölle verfallen. Nach I. Ezra werden die Frommen auferstehen, um sinnlichen Vergnügungen zu frönen, dann wieder sterben und endlich zum ewigen geistigen Leben auferstehen. 3) Sohar I, 63*. Aus Aboth IY 22 — die Geborenen zum Tode, die Toten zum Aufleben und diese zum Urteil (rrpnnb DTttm wie Ab. R. Nath. II, 34 Schechter und nicht m^nb zu lesen) — geht hervor, daß alle Toten auferstehen und abgeurteilt werden, Sefer Mußar ed. Bacher 135.