Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Löwinger, Die Auferstehung in der jüdischen Tradition. verdient. S.: Werden die Toten auferstehen? M.: Ja. S.: Geheim oder öffentlich? M.: Öffentlich. S.: Woher kannst du es beweisen? M.: Nicht aus der heiligen Schrift und nicht aus der Tradition, sondern aus dem gewöhnlichen Lebenswandel. Wir haben in unserer Stadt einen vertrauenswürdigen Mann, dem jeder gewisse Dinge geheim anvertraut, welche er aber öffentlich zurückgibt. Einer aber übergab ihm eine Sache vor der Öffentlichkeit. Wie soll er sie ihm zurückgeben, geheim oder öffentlich? S.: Öffentlich. M.: Nun, hören deine Ohren nicht, was dein Mund spricht? Wenn die Menschen mit ihren Weibern geheim verkehren und die Kinder öffentlich zur Welt kommen, um wieviel eher muß der Tote öffentlich auferstehen, da er auch öffentlich ins Grab gelegt wird1). Beinahe dasselbe tradiert R. Tabi von R. Joschia. Prov. 30,16 stehen Unterwelt und Gebärmutter nebeneinander. Dies zur Andeutung, wie der Mutterleib in sich aufnimmt und herausgibt, so auch die Unterwelt; sie nimmt den Körper auf, gibt ihn aber bei der Auferstehung wieder zurück. Das ist auch logisch begründet. Wenn der Mutterleib stillschweigend aufnimmt und das Kind mit lauter Stimme zur Welt kommt, um wie viel mehr die Unterwelt. Man wird von laut Weinenden begleitet und muß gewiß mit lauter Stimme wieder hervorkommen. Somit haben wir diejenigen widerlegt, die behaupten, die Auferstehung werde nicht in der Thora gelehrt2). Ein Kaiser (nach einer LA. ein Abtrünniger) richtete an R. Gamliel die Frage: Ihr saget, daß die Toten auferstehen werden. Sie sind doch zu Staub geworden: wie kann der Staub wieder zum Leben erwachen? Da bat ihn die Tochter (angeblich die des Kaisers), er möge ihr die Beantwortung überlassen. Es gibt in unserer Stadt — sagt sie — zwei Töpfer oder Bildner. Der eine bildet aus Wasser, der andere aus Lehm. Welcher ist der größere Künstler? Natürlich, der aus Wasser bildet. Nun, wenn Gott einen 1) Kok r. 15b Korn. 2) Sanh. 92*; ßer. 15 b; Jalk. z. St. Koh. r. 9». Unter der lauten Stimme bei der Auferstehung versteht Raschi den Posaunenschall, womit die Auferstehung eingeleitet wird.