Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Löwinger, Die Auferstehung in der jüdischen Tradition. 25 die Völker: Sie glauben, daß Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen hat und daß er die Toten belebt (Midr. til. 19,1). Der Pentateuch weiß noch nichts von Auferstehung. Lohn und Strafe sind auf dieser Welt zu erwarten. Erst den Propheten ist die Vorstellung bekannt. Jesaja 26,19, Ezechiel 37 und Daniel 12,2 sprechen ausdrücklich von einer Auferstehung der Toten, wollen aber darin nur die Wiederbelebung des jüdischen Staates bildlich andeuten. Nach der Zerstörung des ersten Tempels — sagt Achad Haam — trat mit der Verkümmerung des politischen Lebens das individuelle Element immer mehr hervor; man suchte nicht das Glück, das dem Volke zuteil werden soll, sondern jedes Individuum war auf sein eigenes Glück in der Zukunft bedacht und so wurde die politische Erlösung zu einem Anhängsel der Auferstehung. (Am Scheidewege, I, 39. 51, s. auch Stave, Über den Einfluß des Parsismus auf das Judentum, 172.) Und war einmal der Gedanke aufgenommen, so mußte er auch die Geister beschäftigen. Er wurde aber gern aufgegriffen, weil sich der Mensch, wenn er noch so kümmerlich sein Leben fristet, krampfhaft an das elende Leben klammert; weil ihn sein Lebensinstinkt vor dem Tode zittern macht; weil er sonst mit dem Bewußtsein das Auge schließen müßte, daß mit dem letzten Atemzuge alle Hoffnungen scheitern, alle Erfolge seiner Bemühungen zu nichts werden; seine Kenntnisse, seine Schätze, seine Vergnügungen mit dem Körper der Verwesung anheimfallen; weil ihm das fürchterliche vanitatum vanitas des Predigers bei jedem Schritte seines Lebens entgegenstarrt, den Flug seiner Gedanken hemmt, seine Pläne zerstört, seine Kraft lähmt, seine Lebenslust verbittert. Dagegen gab es kein heilsameres Lebenselixir, als die Hoffnung auf ein anderes Leben. Insbesondere für das Judentum mußte diese Lehre zur Lebensfrage werden, da die Pfeiler seines Glaubens zu wanken begannen. Das fünfte Gebot lehrte, man solle Vater und Mutter ehren, damit man lange lebe; man soll die Vogelmutter nicht mit ihren Jungen oder Eiern aus dem Neste nehmen, sondern erst die Mutter fortjagen, damit man