Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Grunwald, 25 Jahre jüdische Volkskunde. Aufnahme, dem Brudermahle usw. auffallend der „Gilde". Daß, nach (Nork), „Der jüdische Gil Blas", der Vorsteher der Chebra als Abzeichen seiner Würde bei der Beerdigung einen Kamm trug, erinnert daran, daß in Rendsburg noch in neuester Zeit bei der Leichenwaschung der Rabbiner den Toten zu kämmen hatte. Schütteln der Kleider erfolgt wie beim „Taschlich" (Mitt. 36, S. 157), das übrigens Petrarca bei Christen am Rhein beobachtete, auch nach „Kiddusch ha-lebana". Man schüttelt die Sünden ab, da der Mond als Ankläger auftritt (Matamim 11). Mit dem Abschlagen der Hoschanot in Zusammenhang steht der Schlag mit der Lebensrute (Mannhardt, Wald- und Feldkulte2, I,251ff., wo dasMaanführen — oben S 13—Erklärung findet). Auch der Russe glaubt die Seele noch einige Wochen nach dem Ableben dem Körper nahe. Neben die Wöchnerin wird ein Schwert gelegt, wie in Japan auf den Toten. In Böhmen werfen Trauernde bei der Rückkehr vom Grabe Gras hinter sich (vgl. Machsor Vitry, 247). Namensänderung bei Erkrankung. Die Bezeichnung „Alter" für ein Kind, wenn Geschwister vor ihm gestorben sind. Die „Wachnacht" bei Neugeborenen. Zauberkraft des Fadens (Messen) auch bei Christen in Sachsen (Mitt. 49, S. 30). Umgarnen des Grabes in Hanau („Zeitgeist" 16, Nov. 1903), in Indien vgl. J. Kohler im „Ausland" 1891, S. 685 und bei den Malaien: Wilken, Animisme II, S. 198. Bestreuen des Brautpaares (28, S. 167). Die Sitte, Kinder nach Verstorbenen zu benennen. Bei den kaukasischen Bergjuden finden wir den Tannenbaum, den Wasserguß an Pesach und den Umzug mit einer Puppe, wie bei den Katholiken Oberschlesiens (Mitt. 28, S. 160), vgl. übrigens Mitt. 1, S. 81 ff., vor allem Mannhardt, Wald- und Feldkulte. Vielleicht klingt in der Anrufung beim Wasserschöpffest in Jerusalem „ani weho" die Erinnerung an Anu und Ea, die Mächte der Ober- und Unterwelt, nach oder annu und ullu (Jeremias, 652). Natürlich knüpft der jüdische Brauch an die religiöse Vorschrift an, so an die Beschneidung, die Wachnacht, den Sochor usw. In Kairo wird, nach mohammedanischem Vorbild, das Kind mit Musikbegleitung in die Synagoge getragen.