Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Grunwald, 25 Jahre'jüdische Volkskunde. 17 Die jüdische Volksdichtung zeigt, daß trotz der Strenge des jüdischen Monotheismus der Volksglaube noch immer einen breiten Platz einnimmt. An Geister glauben manche Juden des europäischen Ostens (1, S. 70; 54, S. 61; bei Beschwörungen Name der Mutter [mater certa] vgl. Zeitschrift d. Deutsch. Morg. Ges., 46, S. 360) wie die Bergjuden des Kaukasus (27, S. 151). Heinzelmännchen, Lilit (gegen sie Elija, vgl. Montgomery Aramaic incantation texts from Nippur) bei der Wöchnerin, Hebamme wie Mitt. 2, S. 26, Regenbeschwörung, vgl. Schweiz. Arch. f. Volksk. 1916, 35). Eine große Rolle spielt noch immer bei den Juden des Ostens das böse Auge (einiges bei Seeligmann, Der böse Blick und Kronfeld und Hovorka a. a. 0., die aber aus nicht immer zuverlässigen Quellen schöpfen (Mitt. 1, S. 99). Der „Oulom" (entspricht dem „Mir" der russischen Markgenossenschaft, „universitas") wird zum „Minjan" nicht mit 1, 2, 3 usf. gezählt, sondern „kein einer, kein zweier" usw. Auch der Glaube an die Macht der Gestirne (24, S. 144, von der babyl. Leberschau, vgl. Jastrow, Relig. der Babyl.938, entlehnt ist der „Finger der Leber" der talmud. Anatomie) ist noch nicht ausgestorben. Er äußert sich u. a. in Tage- und Monatwählerei. Wetterregeln, wie „Schwat hat sein Prat" (45, S. 2), „Uder is keijn Bruder" (1, S. 45), „Wajjakhel und Pekude, Behar und Bechukause, Werappe jerappe" (3, S. 13; 4, S. 145, auch bei Christen, 4, S. 146, Nr. 50—52), Wajjigasch (45, S. 2), Chamischa asar b'schwat (18, s. auch 5, S. 21; 70 sowie Bernstein s. v. Nisson, Rojschchojdesch Ijor bzw. Elül und Uder usw.) u. a. sind nur mehr spärliche Reste ausführlicher Bauernkalender (8, S. 113; 14, S. 25; 23, S. 91; 24, S. 115, vgl. Jastrow 509, 721 usw.). Zum Schutz gegen siderische Einflüsse zur Zeit der Tekufot (Solstitien s. Mitt. 5, S. 84fg., auch S. 26 u. 37; 27, S. 126; 28, S. 171, vgl. Blutstropfen des von den Titanen zerfleischten Tammuz bei Jeremias ATAO.), diefrühervom Synagogendiener verkündet wurden (33, S. 69). Gegen den Blutstropfen, der angeblich an diesen Terminen in die Speisen fällt, schützt man diese durch einen eisernen Nagel (Midrasch Wajjikra r. 24 mit der Träne der Isis verglichen: Grunwald, Jahrb. f. jüd. Volksk, I. 2