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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 16

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 16 (sequence 20)
Language
German
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IQ Grunwald, 25 Jahre jüdische Volkskunde. klingen die deutschen Sagen und Märchen wieder (2, S. 1 ff-, Mitt. 18), so die Nibelungen, Gudrun, Tristan, der getreue Johannes, Fernand getreu, der Spiritus familiaris, die wilden Frauen vom Untersberg, der Kaiser und der Abt, der Froschkönig, die Wasser des Lebens (auch in Sokotra: Mitt. 25, S. 151) u. a. m., nur mit dem Unterschiede, daß die jüdische Fassung eine ausgesprochen religiös-ethische Führung aufweist, daß z. B. die Kraniche des Ibykus an Koheleth, Kap. 10, Vers 20 anknüpfen, daß der betrogene Teufel hier in der Abart des „Dalles" (Sorgenkobolde in den „Ukrain. Volksmärchen", Ricola-Verlag, Wien), Frau Venus als Malke Sch'wo (Königin von Saba, über die jetzt Frazer, Folk- Lore in the Old Test., Lond. 1918) auftritt. So erkennen wir auch in den ostjüdischen Märchen (10, S. 98) Verwandte Ali Babas und Sindbads (auch bei Vassel, E., La literature populaire des israelites tunisiens, Paris 1905/06, vgl. Mitt. 23, S. 91), der Turandot usw. Über „Kaiser und Abt bei den Minsker Juden" s. Anderson, Dorpat 1921. Von Entlehnungen kann hier nicht die Rede sein. Gleiches erzählt sich das Volk im asiatischen Osten wie im Westen Europas. Zahlreich sind die Legenden, die sich mit bedeutenden Erscheinungen der jüdischen Geschichte beschäftigen, wie mit Mose (23, S. 38), Raschi (37, S. 45, vgl. 1, S. 79 und 23, S. 43) und den Größen des Chassidismus. Aber auch ihre Eulenspiegel hat die jüdische Volksdichtung wie (jetzt von Ch. Bloch monographisch behandelt) Nechemje Kulikower, Simche Plachte, Schajke Feifer, Efraim Greidiker, Hersehl Ostropoljer, Löbele Fürth, Abbele Dschaddele, Motke Chabad (1, S. 67; 3, S. 28 und 42; 4, S. 131; 7, S. 105; 30, S. 46), vor allem muß der „Lutwak" (Litauer) herhalten (3, S. 23; 4, S. 132 und Mitt. 18). Auch auf diesem Gebiet ist ein praktischer Erfolg insofern zu verzeichnen, als ein Preisausschreiben eine Sammlung jüdischer Märchen gezeitigt hat, die, zum Teil auf die alten Maaßebücher zurückgreifend, eine Bereicherung der jüdischen Jugendliteratur darstellt. Getroffen ist der rechte Ton auch in Erzählungen Lehmanns und H. Ehrmann's („Eine ungekannte Welt") sowie früher schon in einzelnen „Sippurim" (Prag).

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