Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Grunwald, 25 Jahre jüdische Volkskunde. 11 Parom", „Der Seiger" (16, S. 110), „dem Millners Treren", „Der Alef Beis", „Oj Jossei mit dem Fidel" u. a. haben bereits ihren Einzug in Kreise gehalten, die dem geistigen Leben des jüdischen Ostens fernstanden. Nach A. Landau (Mitt. 11) sind viele dieser Lieder deutschen Ursprungs. Dem Slawischen sind dem Inhalte nach einige Liebeslieder entlehnt, die erst seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts sich im jüdischen Volke eingebürgert haben. Neben echten Kinderliedchen hören wir Wiegenlieder, die nicht dem Gemüt des Kindes, sondern den Wünschen der Mutter entsprechen. Das Kind soll eine Leuchte der Thora werden, das Mädchen „Bichelech lesen", „Tichelech stricken", auf den Bällen glänzen, eine Salondame werden. Naturgemäß spiegelt sich in dem jüdischen Volkslied das ganze jüdische Volksleben wieder. Da das junge Ehepaar die ersten Jahre bei den Eltern des Mannes oder der Frau wohnt, sind Konflikte zwischen Schwiegereltern und -kindern nicht gänzlich zu vermeiden. Die Sehnsucht der jungen Frau nach dem Elternhause kommt zu Worte. Zahlreich wie die Klagen der Waise über die böse Stiefmutter sind die Stoßseufzer über politischen Druck und wirtschaftliche Not. Wie eng der Jude mit dem geistigen Leben der Umwelt verwachsen war, zeigen Lieder, in denen wir mühelos alte Bekannte wiederfinden. „Doktor Bär schickt mich her, ob der Kaffee fertig wär", „Engel Bengel laß mich leben", „Madam Pitten ist geritten", „Arm ist nicht reich, Ungrad ist nicht gleich", „Der Bauer schickt den Jockel aus", „Ten little niggerboys", „Es stand eine Lind' im tiefen Tal", „Das Lied vom getreuen Schildknecht", „Die junkgesellen küß ich gern, de ollen lat ik gan", „Eberle komm und schlag mir die Trumm", „Gerstenstroh und Haberstroh sind das beste Futter", „Liebe Schwester tanz mit mir" und das als schwäbisches Volkslied so oft auf unseren „Akademien" zur Guitarre gehörte isländische: „Spinn, spinn meine liebe Tochter", wie deutsche Studentenlieder sich in jüdischen Handschriften (Mitt. 24, S. 143) finden und nach der Melodie „Was kommt dort von der Höh'?",