Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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j.0 Grunwald, 25 Jahre jüdische Volkskunde. Bismarcks drei Haare im Kladderadatsch. „Steins geklagt" vgL NöLDEKE-Festschrift 422. Das jüdische Sprichwort zeugt von scharfer Beobachtungsgabe; alle Schwächen der einzelnen Stände, Städte (s. Bernstein s. v. Amsterdam, Bogaryja, Odessa, Brody, Pintschew u. a.) und Volkscharaktere (der Lutwak!) werden durchgehechelt, vor allem aber eine schonungslose Selbstkritik geübt (18, S. 64). Die ganze Tragik des Judenloses klingt durch (36, S. 132,151), zugleich eine ungewöhnliche Lebenszähigkeit. Bei aller Hochschätzung intellektueller Überlegenheit und trotz nüchterner Würdigung der Macht des Geldes wird doch der Nachdruck auf Rechtschaffenheit und sittliche Würde, sowie auf Reinheit und Innigkeit des Familienlebens und auf ehrbare Herkunft gelegt. Ein unerschütterliches Gottvertrauen und unbeirrte Zuversicht zu der sieghaften Gewalt des Rechtes und der Wahrheit findet einen in seiner Schlichtheit und Selbstverständlichkeit ergreifenden Ausdruck. 2. Dichtung. Wie in anderen Kreisen die Volkskunde aus dem Rahmen wissenschaftlicher Zurückgezogenheit herausgetreten und, z. B. in Schlesien durch die Wiederbelebung der Spinnstube, praktische Erfolge erzielt hat, so ist auch der jüdischen Volkskunde eine Erweckung des jüdischen Volksgeistes gelungen: auf dem Gebiete des Volksliedes. Die Lieder der Ostjuden, in unseren ,,Mitteilungen", von S. M. Ginsburg und P. S. Marek (376 Nummern), von Prilutzki (197 Stück, vgl. Mitt. 49, S. 11 und 29), Winz u. a. gesammelt, sind dem jüdischen Westen vertraut geworden. Jüdische Liederabende, in Wien von mir zuerst im „Jüdischen Museum" am 6. März 1912, in Berlin von einer eigens hierzu gegründeten Gesellschaft veranstaltet, haben den poetischen und musikalischen Wert dieser bisher von Fachkreisen nicht beachteten, höchstens hier und da durch Goldfaden's Opern bekannt gewordenen Äußerungen des jüdischen Gemütes schätzen gelehrt. Lieder wie „Rozinkes mit Mandlen", „Schlof ze mein Vögele", „Der