Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 23 (1922)
- Issue
- 1 (1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2638044-2638081-2638082--1978-2639352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Auf dieser finanziellen Grundlage errichtete auch f a n n y N a t h a n, dfiie Vorsteherin eines Mädichenpensionats in Paderborn,123) 1856 die dortige „Jüdische Waisen-' E&ziehungs-Anstalt für Westfalen und Rheinland'4. Mit zwei Waisenknaben, die sie in ihr Haus aufnahm, begann sie das Werk, dem genau so, wie der Auerbachschen Qrüncjung, sich , allenthalben bei den maßgebenden, jüdischen Stellen Zweifel und Bedenken in den Weg stellten. Sie begab sich auf Bettelreisen oder „philanthropische Wanderungen", wie sie diese Kollekten bezeichnete. Die wertvollste Unterstützung fand sie an dem hochherziigen Oberpräsidenten von Westfaterfv. K ü h 1w e 11 e r, der dem Institut bis zu seinem Tode ein treuer Gönner blieb. Ihm hatte sie es auch zu verdanken, daß die Regierung 1855 genehmigte, die von ihr bis dahin (gesammelten 3000 Taler zur Gründung eines Waisenhauses zu verwenden. Das 'kleine Kapital wuchs zusehends durch Jahrzeitsstiftungen, mit' denen,F a n n y N a t h a n mit einer Spende von 200 Talern den Anfang 'machte. Bald folgte die Familie Rothschild in Frankfurt. Heute sind in der würdig gehaltenen Gedenkhalle der Anstalt fast 2000 solcher Verstorbener verzeichnet, für die von den Waisen das 'Kaddisch verrichtet und die Jahrzeit abgehalten wird. Im. ganzen zählt man gegenwärtig im Deutschen Reich 24 jüdische Waisen-Erziehungsanstalten. Von diesen sind 2 in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, 4 vor 1850, i seit 1900 gegründet worden. 14 werden durch Vereine erhalten, von denen 2 über 1000, 1 unter 300 Mitglieder zählen; Eimes, das genannte Baruch Auerbachsche, besitzt ein Vermögen von über 1 Million. Es weist auch mit 84 die höchste Ziffer der Pfleglinge auf. An Waisenstiftungen werden in Deutschland beinahe 46 gezählt.124) Das größte aller überhaupt bestehenden Waisenhäuser ist das jüdische Waiseninstitut in New-Yor k. Es ging aus einer Sammlung hervor, die 1820 für einen erkrankten jüdischen Veteranen veranstaltet würde. Den nach seinem Tode übrigbleibenden Betrag verwendete man als Grundstock eines Kapitals, mit dem 1909 ein Waisenhaus für 1224 Insassen errichtet wurde. Vor etlichen Jahren beherbergte es über 1200 Pfleglinge, von denen drei Viertel in Amerika geboren waren. 123) Naich dier FestscihÄ zut fiiiiizi^iäliri^eii Stilftinriigs-Feijer, dile wir der FreiundMühkeiiit der Diirektlüon verdanken. 1M) „Diile jüdischen .GeiTue'i'nd'en umd Vereiinie m- Deutschland", Bediinnailensee 1906. S. 65 (als Qinüinidtagsjaihir die;r 'Fürthen- Ams/tlailit :ilsi 1818 aair gegeben.) Zur Geschichte dier jtüd;. Wia'isenfürsoriffe <i.n Wiem, wgk G. Wolf, Vom ersten bis zum zweiten Tiernpel S. 17Ii: 1840 w.kd! die' Gräniduinig dies' V-enemes zur Versorgfumig arimer Israeli Waisen; („W^isenivereiin''') behiördlcli ^enetaliigt {PaibraiTi, Unkimdien II, 486). lieber diile^.iidtedhein ^Wiaiitserihätuiser Wiens vgl il au Umionkalcndler IV (1895) S. 134 ff. „Ost wind Weist" XIII. Heft 8. .