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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1922-01-01 · 1 (1922) · p. Seite 27

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
23 (1922)
Issue
1 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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— 27 - tragende Waisenhaus, dessen von Auerbach selbst geschriebene Entstehungsgeschichte sich wie ein Roman liest Immer gerade im entscheidenden Augenblick der höchsten Not stellte sich die Hilfe Gottes ein, ganz ähnlich, wie es der Freund Goethes, Jung Still II in g, in .seiner LetoensjbesehTeiburog von sich -berichtet. Auerbachs Orünidiung war das erste jüdische Waisenhaus x in Europa, das ein ei uz einer ins Leben gerufen hat. in der von ihm geleiteten jüdischen üemeindeschule in Berlin mietete Auerbach 4833 vom Gemeindevorstand (Zwei kleine Hofstübchen, in denen er :;unächst vier Waisenknaben unterbrachte. Er sicherte seinem waghalsigen Unternehmen^ das von Anfang an mit dem Widerstand des Geineindevorstandes zu kämpfen hatte, vor allem eine günstige Aufnahme im Publikum, indem er einige hochangesehene Mälzer zu Kuratoren unldl, „ wie er sagt, „die reichsten umd schönsten Frauen" als Ehrenmütter gewann. Die Präsidentin dieses Damenkomitees war S a r a h L e v y, geborene 11 z i g, eine Schwester von Fanny von Arnstein, zu den .Mitgliedern zählte Amalia Beer, die Mutter M e y erbeer s, die übrigens dem Institut die erste Stiftung anläßlich des Todes ihres Sohnes Michael Beer widmete. Für die Waisenkinder sorgten 11 Ehrenmütter. Außerdem gebrauchte Auerbach die Vorsicht, die Behörden und einfluBreiche nichtjüdische Kreise für sein Unternehmen zu gewinnen. Der Minister A 11 e n s t e i n, dfor Berliner Pdizeiipräsrctent H i nke 1 d!e y, der Staatsrat N »ä c o 1 o v i u Bischof E y 1 e r t Gymnasialdirektor B e 11 e r m a n n, auch ein ungenannter hoher Wiener Geistlicher, sie und andere quittieren den ■Empfang der Jahrestoerrjcihte dien jungen Anstatt mit Anerkennungsschreiben, die sich' als vorzügliches Werbemittel für die Zukunft bewährten. Einen mächtigen Fortschritt bedeutete die Gewährung der Korporationsrechte. Der Gründer des Zivilwaisenbauses in Potsdam, v. Türck, druckte dein 5. Jahresbericht Auerbachs in seinem Buche „Ueber die Vorsorge für Waisen usw." vollständig ab, und Varnhägen von Ense gedenkt der Anstalt in seinen „Denkwürdigkeiten44. Schon nach dem vierten Jahre ihres Bestehens wies sie einen Kapitalsfonds von 85U0 Talern und . 1200 Talern jährliche Beilträge aius. B3n Hauptelament dieser Zuwendungen bildeten Stiftungen von Jahreszeitstagen, an denen die Waisen das Kaddisch verrichteten.122) So wurde dieses eigens für die Waise bestimmte Gebet zugleich eine ergiebige Quelle ziu ihrer Erhaltung. l22) Nach der auns von der geigenjwäntiilgen Leitjumg dter B. A/sohei* Waisenanstalten gütigst geliehenen Festschrift zum 25jähr.. Bestehen.

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