Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 23 (1922)
- Issue
- 1 (1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Fortschritt unserer Zeit läßt sich daran ermessen, daß z. B. in dem jüdischen Waisenhaus in New-York in den Fünfzigerjafanem bei 5970 Kindiern im gatnzen nur 57 Todesfälle vorkamen. Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts hat sich aber von Hamburg aus eine gründliche Wandlung zum Besseren vollzogen.114) Ungefähr gleichzeitig mit dem Einzug eines neuen Geistes in die christliche Waisenfürsorge, dank Frankes Auftreten, läßt sich auch bei den Juden in der Behandlung der Waisen eine Neuerung wahrnehmen)., Vielleicht war es allein das Anwachsen der jüdischen Gemeinden und damit der Waisenanzahl, das zur Gründung besonderer Waisenvereine135) und Waisenanstalten geführt hat. Von einem Waisenhaus hören wir allerdings. zu- : nach st nur dn e'mom Falle. In; der sefarackischen Gemeinde in London begegnet uns im Jahre 1703 eine „Jesiba Sakre Ora vaavi Jetomim", das älteste Waiseninstitut in England. In dieser Anstalt hat der bekannte Prediger David Nieto, der Gegner Spinozas, eine Rede gehalten. Biei einer Feier an derselben Stelle hielt ein dort erzogener Waisenknabe eine ' Ansprache und zwei Söhne N i e t o s einen Dialog darüber, ob eine solche Anstalt einen mehr humanitären oder mehr pädagogischen Charakter trage. Bei der Beerdigung des Ch akha m Meldola im Jahre 1828 gingen die Zöglinge dieses Waisenhauses im Leichenzuge mit.110) Im Jahre 1771 bestand bei den Hamburger P o r t ug i e s e n ein Verein „Aby Jetomim",117) in Amsterda m bei den Aschkenasim 1781 eine Chebra „Megaddele JethomirrT.118) In der römischen Gemeinde wurde die Witwen- und Wiaisenversorgung schon im 16. Jahrhundert cu.rch Vereine versehen. (Verschämten armen ' Witwen wurden (laben ins Haus gesandt.)119) 114) Voigieilsia<n&, Dals HiamiburJger Waiiseiitauis.. In Frankreich wird diie VVtaiiseiiifürisorge 1790 als RfMidbt des Staates angeordnet (M. S.tei.ner. -zur Reform der Anmenpfteige m . Oastiertfeiiich 83). lieber moderne jüdiisohe Wiaiisen-pifle.ge il iaHgeirn. Onumwiailidis Hygien^ie des Jaiden, Anhang XVIII ff. 115) Für die Waisen Ihrer vensitloribenen Mitglieder sorgt seilt 1810 diiie -Biedftoier GeseM schnitt der Frau-nidle. vgl. L. Lesser, Chronik cl. Oes. d. Fr- S. 50. J1G) Oaistier, Hi&fcory of tihe aincient Syrniatgoigiuie 10?, 162. j ' UT) Grimwald, Portugiesengräber 24. m) Vgl. Takkanot ineha-chebra kedoscha megaddeie jeiorr.im, Aorist. 17&1 ibel 2ed<ner, Gataiogwe 49. lin) Berliner, Juden in Rom II, 2 5. 32 ig. Frankfurter Waisenstiftungen und. Vereine ibieti Difetiz, Stiaimiriibiucih der Fratmkif.u>rter Juden 421 ig., (darunter - aiuch der Verleim zur Brizfiietang j ü d i* s e h e r W ia i s e n in P a 1 ä s t i n a).