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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1922-01-01 · 1 (1922) · p. Seite 23

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
23 (1922)
Issue
1 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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- 23 — Dieses feinfühlige Mitleid mit der Waise hat auch in der m e u eren jüdischen Literatu r106) ein Echo gefunden. Mitleid mit der Waise gilt zum Beispiel bei„Wölwel JZbarazer als Kennzeichen jüdischem Empfindens.107) Auch das jüdische T h e a t e r kennt bereits ein Drama „Di e Jesoime" von Jakob Gordin. „Die Schwestern" von Perez und aridere Stücke wirken besonders durch das Waisenmotiv. Ebenso hat sich die erzählende Literatur des dankbaren Themas bemächtigt. Die Erzählung von Perez JEisekl schächt" schildert in ergreifenden Tönen, wie das Elend des Waisenkindes eines armen Melameds das Herz eines der Leichenträger rührt, und wie dieser schlichte Mann beherzt im Bet-Hamidrasch den Gewaltigen der Gemeinde die heilige Pflicht der Waisenfürsorge vor Augen hält. Die Novelle -„Die Mageiie" von demselben Dichter behandelt den Brauch der Ostjuden, zum Schutze gegen eine Epidemie auf Gemeindekosten ein armes Paar, besonders Waisen, zu verheiraten und die Trauung auf dem Friedhof vollziehen zu lassen. Dem verwaisten Baictor Jakob Soloweiczik108) in dem gleichbeiitelten Roman von Rabbimowicz gewährt man in der Jeschiba Aufnahme, obwohl die Zahl der Schüler schon abgeschlossen ist Däs jüdische Volkslied wiederholt auffallend oft, hierin an die Waisenklagen der Letten109) erinnernd, das Gebet * der Waise, die am Grabe der Mutter über die Härte der Stiefmutter Tränen vergießt, und die Klalge des Geistes der verstorbenen Mutter über die Not der zurückgelassenen Waisen. Ein beliebtes Gleichnis im jüdischen Volkslied behandelt die Offenbarung am Berge Sinai als die Vermählung des Waisenkindes Israel mit der einzigen Tochter Gottes, der Tora.110) Das jüdische Sprichwort nennt eine Waise ein „wohlfeiles Pfand".111) Es sagt: „Ein WaSsenmädcbön hat eine Menge Mütter." 106) Aus dfer älteen a u. Miede Heflievis „Jeimetam b'ka infam" im Liizaatos Sammtag etil Sam. Philipp S. 15. Nr. 14 (nädht 4m DSvaaii). Aus dfer (nietueren Leopdlid Kamperft's ^Go-ttets Wiaiilsenlklnki"; Helberg 206. 108) MüttiteiL el itiKi. Vol.kBifcuttudjev Heft 312, & 1€8. 107) .In: J. Rabfbiiniowte J:. Ss Jungend! S. 139, vgl 134 ff. s. mach V: Smoltemlskänis „fDa-toch bedteiridDe hia-chialipm o Tofliedot Josetf ha iatom." 109) Vgl. Wdbter to (Mbm LXXVJ Nr. 2. 110) Milttielliuingen z. jM VoHlksttamde, öeft 44, S. 129, 48, a 121 49, S,:1L. Glndwrg-M^ek, Jiüid. VöltosÜeder 68 fe. n±) a jiDssojim ihiot la istsiadh snilaftnieis, — <a Iteoroi als a wodiweile ma&chike (Berasldm, jtid SpriidiwiMer). „Kohrs jösisem", im mgiinlstiigteim Sinne In Umgarni getiriäudhit. S. audi Beurtst unter „GehW Nn 4 umd' S. 271.

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