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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1922-01-01 · 1 (1922) · p. Seite 15

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
23 (1922)
Issue
1 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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jüdische Vater sein Kind selbst. Um aber auch die Waisen nicht ohne Unterricht aufwachsen zu lassen, wurden für sie Volksschulen errichtet vmä später »<ter Schubwamg auf aie Kinder ausgedehnt, und dies siebzig Jahre vor der üblichen Zeitrechnung, während deutsche Städte, zum Beispiel Hamburg, noch m Beginn <d!as XIX. Jahrhun/dierts keine öffentlichen Volksschulen hatten.61) Ein Moment, das im Laufe der Zeit für den jüdischen Gottesdienst eine überragende Bedeutung erhalten hat, ist das von der Waäsle Jür die verstorbenen Elftem zu sprechende Kaddischgebet,62)* sowie die Seelenfeier (Haskarat neschamot). Vor wie schwere Aufgaben die jüdische Waisenpflege im Mittelalter gestellt wurde, lassen schon die häufigen Judenverfolgungen und, als ihre unausbleibliche Folge, die Zunahme der Waisenanzahl erraten.63) Daß sie in der Literatur nicht entsprechend stark hervortritt, erklärt sich daraus, daß sie in andere Zweige der Armenfürsorgfe, wie „Armenbekleidung", „Verheiratung armer Bräute", „Schulkinderspeisung" usw., mitinbegriffen wurde. Die Verzweigung und Verästelung der Wohlfahrtspflege bis ins Einzelne und Kleinste, die jedenfalls den Vorteil hatte, daß möglichst zahlreiche Kräfte für einen edlen Zweck aufgeboten wurden, findet ihren Niederschlag in dem aufblühenden Vereinsleben der jüdischen Gemeinden, das ja, sei es als Haupt- oder Nebenzweck, immer ein humanitäres Streben bekundet.64) Wenn nun zum Beispiel ein Elia Ha-Kohen in Smyrna — im Anfang des XVIII. Jahrhunderts — (Meil zedäka) viete Zweilge d!er WoiWMtiigkeit aufzählt! darunter aber nur eine Art der Waisenfürsorge, nämlich die Mietung von Ammen für verwaiste Säuglinge, erwähnt, so sind fragtos dliie genlaninitien Einzelheiten der Waisenfürsorge anderen Wohlfahrtsbestreburigen angegliedert worden. Zur späteren Literatur über die Waisenpflege zählen zunächst die B i b e 1 e r k 1 ä r e r. Zu der Stelle II. Mose 22, 20 „Keine Witwe oder Waise dürft ihr bedrücken" bemerkt Salome ben Isak (Raschd): „Das Gleiche gilt für alle Menschen. Nur wird gerade dieses Beispiel gewählt, weil eben diese Kategorien schwach und machtlos sind und leicht und 81) Baba b. 21 a. M) EFbogen, der synagog. Gottesdienst S. 96. Gegen Auswüchse bereits S. Lengsfelder, Gottesdienstl. Vorträge 35 if. fl3) In Frankfurt kommen im Jahre 1473 auf 12 Steuerzahler 23 Arme (vgl. Bücher 548). *4) In Mantua wurde die Strafe für Uebertretung des Spdelverbotes einer der sieben „Kuppot" zugewiesen, zu denen „Speismaiig der Armen. „Mitleid" (Rachlarailn) u. ai. zählen (Jew. 0- Reyj, V. 505)

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