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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1922-01-01 · 1 (1922) · p. Seite 14

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
23 (1922)
Issue
1 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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.: .' > :.....• .r- - 14 - müßten.55) Als edincfnxcksvol'le Wanniuimg .gailt die Drohung^ daß die Kinder dessen, der sich gegen gewisse Gesetzesvorschriften vergangen, vorzeitig verwaist werden.56) Von. R. Chijja, dem Großen, wird auch berichtet, daß er Hirsche fing, um deren Fleisch an Waisenkinder zu■ & verteilen.57) R. Elieser aus Bartota wurde von den Almosensammlern gemieden, weil er jedesmal, wenn er sie traf, sich vollständig auszugeben pflegte. Eines Tages, als er ausgegangen war, um für seine Tochter die Ausstattung einzukaufen, und als er die Armenpfleger von weitem erblickte, so daß sie ihm nicht mehr ausweichen konnten, lief er ihnen nach.* Und als er erfuhr, daß sie für die Ausstattung zweier Waisen sammelten, rief er aus: „Bei Gott, die gehen-meinem Kinde vor", und er gab ahnen alles, was er bei sich hatte.58) R. Ismael heiratete arme Mädchen aus, die durch die Kriegswirren verarmt oder verwaist waren.59) Als Muster eines solchen Armenpflegers wird Benjamin der Gerechte gerühmt, der einst, als eine Witwe, Mutter von sieben Kindern, während die Armenkasse leer war, bittend bei ihm vorsprach, die Witwe samt den Waisen aus seiner Tasche ernährte. Durch gewissenhafte Verwaltung von Waisengeldern zeichnete sich besonders der Vater des berühmten Mar Samuel ms. 59a) Wie petoMlah genau, man es aber mit dlem Gebot nahm, die Waise nicht zu kränken und zu bedrücken, lehrt das Zwiegespräch, welches R. Ismael und R. Simon führten, als sie von den römischen Schergen zur Richtstätte hinajusgefühirt wurden, um *fem Märtyrertod zu erleiden. R. Simon seufzte: „Wenn ich doch wüßte, wofür ich den Toderleiden muß!" Hierauf antwortete R. Ismael: „Denke nur nach! Vfefldfcht kam ©mmM j'emtod zu dir, um ein Reohtsurteil oder eine rituelle Entscheidung von dir zu enhalten, und du hast * ihn warten lassen, bis du dein Glas ausgetrunken, bis du deine Sandalen angelegt, deinen Mantel umgeworfen. Die Tora verbietet aber jede Kränkung des Recht Suchenden, gleichviel ob in schärferer oder in milderer Form." Da erwiderte R. Simon: „Ja, du hast mich getröstet."00) Besonders bemerkenswert ist noch, daß es bei den Juden die Waisenfürsorge war, die zur Einführung des allgemeinen unentgeltlichen und obligatorischen Volksschulunterrichtes den Anstoß gegeben hat. Ursprünglich unterrichtete jeder K) Schabb. 151b. Auch idl'er PsaMst (37,25) sfeft er habe nocfe nie Kinder eines Gerechten betteln sethein. Pesach. 49 a. Jalkut I 27 a r,T) Kethubb. 103 b u. sonst S8) Taianith 24 a. *•) Nedairim 66 a, 59 a) BenaMiot 18 b. eo) MekMita m 2. Mose 22, vgl. Schient r. zu ProvL 29, 4.

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