Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 23 (1922)
- Issue
- 1 (1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 13 - Dementsprechend belohnt Gott auch die Waisenpöege, und einer der kostbarsten aller Schätze, die im Himmel für $ie -Frommen aufbewahrt sind, ist, wie nach dem Midrasch Mose von Gott belehrt wurde, für die Waisenpfleger bestimmt.47) Daß Mose von seinen zehn Namen, die er nach der Ueberlieferung trug, von Gott gerade mit dem gerufen wird, den ihm seine Pflegemutter, die Tochter des Pharao, gegeben, ist eine Ehrung für ihren Edelmut, da ja sonst nur der leiblich e n M u 11 e r das Recht zustand, dem Kinde den Namen zu geben.48) So wird aiuich foed Jeisaja (63, 16) Gott selbst und nicht einer der Stammväter von Israel als Vater bezeichnet weil Gott sich ihrer dort angenommen hat, wo ihnen, die Str-mmväter nichts halfen. So ließ dienm afUiclh emunail eine Waise beim Abschluß des Ehekontraktes statt des Namens des Vaters - den des Vormundes, als ihres wahren väterlichen Beschützers, eintragen.49) Wer eine Waise beraubt, beraubt Gott selbst.50) Korach sucht das Volk gegen Mose aufzureizen, indem er ihn der Härte gegen Waisen bezichtigt.51) In einem Midrasch liest man: Höhnend sprach das böse römische Reich zu Israel, als dieses dem Kaiser die Kopfsteuer zahlen sollte und jammernd auf seine Waisenlasten hinwies: „Soll i ch etwa deine Waisen ernähren?. Gehe doch zum Gotte Jakobs, der der Vater der Waisen genannt wird. Er hat sich auch wirklich einmal zweier Waisen erbarmt, indem er ihnen eine Wölfin als Amme bestellte; Romulus und Remus. Was sie geschaffen haben, sein Werk ist es! Bei ihm beklaget euch!"52) Die häufige Wiederkehr des Gleichnisses vom Waisenkinde im Midrasch läßt erraten, wie wirksam dieser Gegenstand an das Herz des Volkes rührte.53) Bei aller Pflege und liebevollen Behandlung der Waise, sagt der Talmud, kann sie es doch nicht verschmerzen, daß sie den Tisch des Vaters entbehrt.54) Deshalb hinterließ R. Chijja, so oft er das Haus verließ, seiner Frau die Weisung, den Armen mit Brot entgegenzugehen, damit es seinen Kindern nicht fehle, das heißt, damit sie es nicht als Waisen an fremdem Tische suchen 47) Midr. rabb. zu 2. Mose, 45. Baba batra 123 a. Kaufmann-Gedenkbuch (Brann, Fürther Grabschriften XXXIII) wird Mose selbst, wie Abraham stets als Vater der Proselyten, als Vater der Waisen bezeichnet. *8) Midr. rabb. zu 3. Mose, 81. *9) Midr. r. zu 2. Mose, 46. 50) Das. 30. Schabbat 33 a wird als Strafe für schändliche Rede* -angedroht», daß 'die Waiilsen vergebe r*9 jam,rtierji werden. 51) Tancrruania Korach Anfang. M) Midr. TeMKm X, 6. Schabbat 151b. 3a) z. B. BamM'bar rabba 28. « M) Kethubb. 91b. Baba b, 157 a. \