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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1922-01-01 · 1 (1922) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
23 (1922)
Issue
1 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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— 8 — Jinda umid Israel.19) Bei der Belagerung girier moabitischen Stadt wird nach Landesbriauch von dem belagerten Könige au? der Mauer sein Erstgeborener äSs Opfer dargebracht. Um weitere Greuel dlüeser Art zu verträten, ziehen die vereinigten Heere Israels und Juidlas ab.20) „Derartiges tut man nicht in Israel44 oder „Dergleichen ward nicht gesehen, nicht erhört m Israel", solche Aeußerungen, wie sie die Bibel anführt, sind un- wiHkürfchie Offenbarungen der Volksseele, die den instinktiven Abscheu gegen jede Oemütsroheit, jedes antisoziale Empfinden schlag ender bekunden, als alle Belege humanitärer Tendenz . aus der biblischen Gesetzgeb u n g.. Wo aber das Herz diese angeborene Menschlichkeit, den natürlichen Hebel zur Linderung der sozialen Not vermissen ließ, dort wirkte der immer; im Hintergrunde drohende, gegebenenfalls, auch eingreifende gesetzliche Zwang. Und mochte auch-anfangs vielleicht der Gefeige und Hartherzige aus der Not eine Tugend machen, allmählich wurde doch unter der heilsamen, erzieherischen Einwirkung des Gesetzes aus .dem äußeren Zwang ein innerer Antrieb, aus der religiösen Satzung ein allgemeiner Volksbräuch,; so diaß Miildherzigkeit.im jüdischen Schrifttum selbst sowie — bis in die neueste Zeit hinein in Kundgebungen der Umwelt über Juden und Judentum als einer der Grundlzüge und Vorzüge des jüdischen Volkscharakters anerkannt wird. Diese Auffassung der Wohlfahrtspflege als einer sozialen Pflicht ist den Tochterreligionen des Judentums ursprünglich völlig fremd. Geboten wW allerdings das Almosen. Es wird' als Lohn0 dafür x die Erlanigung der himmlischen Seligkeit in Aussicht gestellt. Die christliche Caritas war deshalb auch anfangs auf die Klöster beschränkt und bis vor kurzein nur an gewisse mehr oder weniger kirchliche Institute geknüpft. Erst die Gesetzgebung der Gegenwart lenkt in die soziale Richtung der Tora ein.21) Vor allem hat aber der Krieg mit dem namenlosen Eknd, das er im Gefolge führt, mit ungeahntem Erfolg das soziale Gewissen geweckt und auf humanitärem Gebiete eine Betätigung erzeugt, die sich dem altjüdischen ideal p e r s ö n 1 i'c h e n Liebesdienstes-nähert. In. diesem Zeichen steht auch d i e W a i s e n f ürsorge imjüdischen Altert um. , . Es genügte nicht, den Zehnten zugunsten der Waise und der anderen Schutzbefohlenen zu entrichten, ihr Brot, Kleid und Obd'ach zu bieten. Man mußte ihr beim Erntefest das Haus öffnen, die Festesfreude mit ihr teilen, ihr das Elternhaus zu ersetzen suchen. Die Warnung vor der Verletzung des Rechtes ™) 2. Körnige 6/22. — 2. Chiron, 28, 9. 20) 2. Köai. 3. 27. ~Jj Vgl Pick, D.k: Welitia'iisch^aiuuiiig dies J udeiiitiiirnrs S. 2(k unld den Artikel -„Allmosen' iin Herzogs Realencyclopädiie f. Protest Tfoeologfiie.

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