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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1922-01-01 · 1 (1922) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
23 (1922)
Issue
1 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— 7 — (feil Deinen tiuYdas füg auch keinem andern zu," eine Erinnerung an das Walten efaer ausgleichenden Gerechtigkeit. Audi bei der f eierMlchien Besitzergreifung des Vätererbes, in der eindrucksvollen Beschwörung des versammelten Volkes am Berge Ebal wird der Gottesfluch demjenigen angedroht, der dlas Recht der W a i s e odbr dies Fremdlings oder der Witwe beugt (V. Mose 27). Dort, wohin der Arm. d'eir irdischen Gerechtigkeit nicht reicht, soll die Furcht vor Gottessitrafe hem~ mlend wirken.17) Daß sich die Waisengesetzgebung der Tora nicht auf Kinder des eigenen Volkes beschränkt, braucht bei der innigen Verbindung, in der die Waisenfürsorge mit dem F r e m d e n s c h u t z steht, nicht erst betont zu werden. Wenn aber im fünften Buch Mose (24, 17) ausdrücklich dem „ger jathom" sein Recht gewährt wird und mit einigen Schrifterklärern dieser Ausdruck im Sinne von „verwaister Fremdling" aufgefaßt werden dlarf, so läge hierin nur ein Unterstreichen der Anschauung, d!aß auch die Waise fremden Volkes auf Fürsorge ein Anrecht habe. Unmittelbar vorausgeht diie Warnung davor, die Schuld der Eltern etwa an den Kindern zu sühnen. Den Nachsatz bildet die Erinnerung, daß Israel selbst Sklave in Aegypten war und Gott ihm geholfen hat. Der Dank für die Erlösung aus dem ungastlichen Aegypten soll betätigt werden dlurch Liebeswerke an der Waise, die bei uns Gastrecht sucht. Selbst wenn ihr Vater als Feind Israels oder sonst .irgendwie sich gegen ums verschuldet hat, seine Waise soll es nicht büßen. Neben diesem religiös-ethischen Charakter der Waisenfürsorge in der Tora, in dem sich das Vergeltungsprinzig ausprägt, maüht sich aber, wie schon angedeutet, auch der rein soziale und humanitäre Gesichtspunkt geltend, der die gesamte Woihlfahirtsgesetzgehuing des alten Testamentes leitet. „Daß kein Darbender in deiner Mitte sei!fci Das ist das Ziel. Das Fühlen mit dem Schutzlosen, selbst mit dem Tier, war als jüdische Eigenart im alten Orient bekannt. Der König von Aram siucht, von Israel ge'sdhlagen, ein Versteck auf. Sein Gefolge rät ihm aber,. der Gnaidie des Königs zu vertrauen. Man weiß, so sagen seine Leute, „daß die Könige Israels gütige Mensehen sind". Er folgt diesem Rat und findet ihn bewährt.18) Bei einer anderen Gelegenheit werden Aramäer gefangen genommen. Der Propihlet Elischa rät dem Könige von Israel, <äie m speisen, zu kleiden und ihrem Herrn zurückzusenden. Er tut es und der Erfolg ist ein Treubündmis mit Aram. Aehniliches emtpfie'hlt der Prophet Obed im Kriege zwischen 17) S. Ibn Ezria z, S»t,e!Lle. 3S) 1. Könfee 20, 31.

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