Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 23 (1922)
- Issue
- 1 (1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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- 5 — rLert geradezu dä'e Telniahirrxe des Waisenkimdies am Festmaihl. .-„Du sollst dich freuen an deinem Feste mit dier Waise, die in deinien Toreii,44 so ist es den Israeliten geboten.9) Sie waren dlie erste n, hei dienen die Waifenipflege «durch das Staatsgrundgesatz genegelt, und bis in die neueste Zeit die einzigen^ bei denen -sie rein menschlich, sozial-ethisch begründet wurde. 4 Das We'sien des Waisenkindes in jüdischer Auflassung kennzeichnet das heibräiSiClhe Wort hietiir: „jath om", mit der Qnundbedleutung „gedrückt sein,44 ähnlich wie die allgemeine Bezeichnung für dein Armen, „an?V von „awah" „niederbeugen, bedrücken" herzuleiiten ist. Deshalb gebraucht das spätere Judentum die Bezeichnung „jathom" „verwaist" im Sinne van „ohne Rat und rechte Führung",10) man spricht von einem „verwTatetenu Amen,.d. i. ein Amen, d!as gesprochen wird, ohne daß ein vollgültiger Segen, gleichsam als sein Vater, ihm vorangegangen wäre.11) Ein „verwaister Sang", unter diesem Titel weist die neiuhebräiische Literatur ■ einige Gedichte verschfeldbner Verfasser auf,12) wohl in Erinnerung an dfe „verwaisten Psalmen44, von denen der Talmud spricht, die nach einer Erklärung darum.so bezeichnet wurd'en, weil ihr Autor, ihr Vater nicht gekannt wind.1") Ueherbiickeri wir jenle Stellen der Heiligen Schrift, an denen vom Waisenkihdle die Rede ist, so müsisen wir uns vor Augen halten, daß schon überall dort, wo vom Armen im a 1lgemeine n gehandelt wind, darunter auch die Waise mitinbe- ' griffen ist. Im driateu Buch Mose, im Abschnitt Kedoschim,, wird zum Beispiel ein Gesetz zugunsten des Armen im allgemeinen gegeben, im fünften Buch Mose in Ki theze wird in der Wiederholung desselben Gebotes „der Arme44 spezifiziert als Waise- und Witwe. Um so beachtenswerter ist es, daß die Bibel ausdrücklich die Wailsenfürsorge mehr als dreißigmal ein-!}) 5. Mose 16, 14. 1M) J. Che®. I Anism 75 cl San-h, 97 b, Ab. zara 13 b, ChuLb 111b. Keth. 17 b vgl. Lev\\ tataud. Wörterbuch. Svejhe auch bei Be'rris.tei.n, Jü'd. Sprichwörter: „Ich biim kein jiiiss'Ojm-katfcon". Bin Anzug ohne Fatter (Füter Vater) wird „Jusiseml" gemainnt. In Pr.ziemysl: „Er hot chasseue gemacht a j'cf-s-cimale" für ,re,r hot aufgegessen a gebnuiten GendsÜ". „rTajatom" (vgl. iden hihi. Eigennamen „.Iiatom*') hiieß auch der PiiUit-Dichter Jose ben Jo&e, wahrscheinlich, weil er denselben Nannen wie sein Vater führte (Ellbogen, Der jüd Goittiesidiienist 306). Schasbibat IIb wird als größtes Unglück bezeichnet, auf dü)e Lesätumg eiiner Waise aMgewtosen zu isieim. ll) jer. Berakot VIII gegen Ende 12 c. " So Josei ben Chisdai, (Kämpf, Niichitiariidasius. Poesie 184. Brody u. Albrecht. Neuhebr. Poesie 28), Aikharisi (Ben Chanianja V. 145), Bialik. (Iiasehiiloiach VII, 55). lieber Jose ha-Mhom u. a. m. im diesem Zusaramen- .hange: Diisebak, Gesch. d'es jüd Kultus 229. . J:J) Abod'ä zara 24 b. .