Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 3-4 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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ü Das ü ,geht im Jd. in einigen Fällen vor r in ein ,a über (Gürteligartl, für-far, Fürtuch^fartech, dürrr^där, Bürste-barscht, dürfen-darfn), manchmal in ein e (GeWürz-Gywerz, zürnen^zerj'nyn, Bedürfnis=bederfnisch, würgen-wergen, Türke-terik, fürchten-ferchtn, Küche-kech). E für ü vor r findet sich im Bajuvarischen ziemlich allgemein, so in: Geschwer, derfn.» In der Oberpfalz, in Nürnberg spricht man: Forscht, dorsdttn, GeWöi^z, wörgen (Weinhold II, 26, 42). Sonstiges iü lautet, wenn es ein .alter Monophthong ist, im Jd. normal wie y (Sünde-synd), vor ek wie i (Glück^glik, Brücke, rücken)r so auch im Worte wünschen (wintschen). Ü, das jaus dem Diphthong uo entstanden isjt, wird im Jd. ij gesprochen (hüten-jd. hijtn., mhd. huotent, wüst-jd. wijst, mhd. wuosjte, früh^jd. frij, mhd. vrüo), Tonlosigkeits-Lautwandel und Syncope in Compositen. In zusammengesetzten Worten, in denen der Nachdruck, der Ictus, auf die ersIte Silbe fällt, verliert oift dier "V-okjaJ in der zwleiten Silbe/., au jede lautliche Intensität und -wjird entweder zu einem e (Tischtuchtisic'htech. Fürtueh-Fartedh, Brüstjtidh-brystec'h Ljeila;äi4alech), zu einem i {Sonntag - syntik, Montag - Muntik usw., dagegen Mittag * mitug) oder y (Rath aus-ruutys)', oder er fällt ganz aus (wieviel-wifJ, wohlfeil* wolwl, Baumwolle-bänwl:, Branntwein?bronfn, Leinwand4aawnt). Ebenso sieht m'an im Bajüv. oft ein irra^ionelles e im zweiten tonlos gewordenen Teil von Kompositen fiür a, ä, i, so in Heiret, Monet, Knoflech, wievel) (Weinhold II, 27). Mätek, denstek^ für Montag, Dienstagspricht auch der Zipser Deutsche (Schröer Z*ps, 1T31). . (Wird fortgesetzt.) Ein jüöifrh-öeutfrhes Horhzeitslieö. Mitgeteilt von Dr. Ed. Biberfeld in Berlin. Die Sitte, zur Hochzeitsfeier Angehöriger oder Befreundeter mehr oder minder poetische Drbietungen (Kladderadatsche, Tischlieder,*) Feststücke und vieles andere) beizusteuern!, ist alt und wieftverbreitet. Mit Poesie haben diese Erzeugnisse zumeist; wenjg oder nichts zu tun und ihr Inhalt ist gewöhnlich von: dem- Schlage!, daß der W;unsch Steinschneiders1 (Jahresbericht der Geschichtswissenschaft I.) nur allzu berechtigt erscheint, es! mpch'te an Stelle dieser Sitte doch die ungleich schönere^ in Italien verbreitete sich einbürgern, bei sollchen Gelegenheiten verschölle nie oder un edierte Meisterwerke der Literat uriur in angemessener Ausstattung zu edieren. Die 'weiteren- Kreise vermag unsere Hochzeitsliteratur fast durchgängig, nur insoweit zu interessieren, als sie immer Wiieder ,?die .Notwendigkeit und Nützlichkeit *J Für diese Sorte von Gedichten habe ich den Namen „Ächieless Verse14 (Achillesferse des betreffenden Dichters) geprägt. * M. D.