Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 3-4 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Wandlung zu ü (i). Im Assyrischen erscheint „;au" als Aequivateni des hebräisdhen Sdhurek1, so : Juda-Jaudai, ähnlich wie teilweise in der Septuaginta. Es ist nicht ausgeschlossen, daß im südjd. u-ü (i) eine jüngere lokale Sonderbildung vorliegt, die bereits uniter den alpenländischer* Juden unter westslävisdheiri Einfluß sich vollzog. Der Tscheche spricht in allen jenen Worten, die im1 Polnischen ein u| haben, ein i (cudzy- Cidzy) und unterzieht einer Lauftveränderung auch das Ui in Fremdwörtern (Jesüshjezisl, Judas-Jidas). Der Uebergang;Von ui zu ü kann auch ein interner Vorgang* gewesen sein, der sich in Europa bei den Juden von selbst vollzogen hat, ein Prozeß), der ohne fremden Einfluß bei einem1 Teile der aschkenasisdhen Judenschaft vor sich ging. Ein soldher Lautwandel ist weit verbreitet. Er ist bereits im' antiken Hellas feststellbar, auch im alten Latium läßjt sidh ein (unsicheres Tasten zwischen i und u bemerken: quadrivium und quadruvium, decOmus nnd decumus. In Rom) ist i die Regel (Mayer-iLiübke I, 53). Der heutige Franzose hat für das alte ljateinisdhe u aussdhließlich den jü-iLautt (purus^pur). Im Jüdische persischen wird umgekehrt i fcto ü (u) (ZfhB, VI., 117). Der :u-L<aut hat auch stonsit i|m! Siüdjiddisfchen seine Eigentümlichkeiten. Dem u im: Jd/. klingt, of| etn e nadh, so bei echtem u ((Sprudhj-Spruech)!, wie auch zuweilen bei langem1 unechtem uu (Glas- Glues, Zahl-Ziuel, das-dues) und bei uimigelauteteml u (Buch=bijech, Schuh- Schijech). Der e-Nachlaut vor ch ist höchsitwlaihrsdheinlich eine Paralleler* sdheinung zum Pathach furtivum der Hebräer, die in den Entlehnungen aus dem' Hebräisdhen allerdings so nach 6 (oi), wie u (i) in der For'm1 eines e noch 'heute im' Jiddischen fortlebt, so in koiedli, imbiedh, rijech Hjedh. Das Pathach furtivum als e kann davon 'herrühren, daß kurzes;ai und e im Semitischen in einander überfließende Vokale sind. Kurzes a, Fatha3 ist im Arabischen in gewissen Fällen a oder e. Die babylonische Punktation des Hebrä- * isdhen unterscheidet nicht zwischen diesen beiden Schriftzeichen. Raschi nennt das Ssegol Pathach kajtan. Der aschkenasische Jude liest sta^tt hafker, hasped — hefker,, hesped. Clhaslke) für Jedheskel kommt in Breslau im Jahre 1204 vor (Aronius 364, 161). Das sonstige Nachklingen des e bei unedhtem u vor allen möglichen Konsonanten erinnert an das italienische novus-nuevo, rofta^ruedo und in weiterer Linie an bonus-buowo, forum*fuoro. Audh der bayrische und der alemannische Diaelkt haben bei einem: Teijl der Worte auf u einen Diphthong ue, ua, da der größte Teil des gemeindeutschen jetzigen u altes uo vertritt. (Die Oberdeutsdhen haben 'diese VereinfajChung nicht durdhwegs angenjojnrmen (Weinhold II, 71). In slavischen Lehnwort en im! Jd. wird fast ausnahmslos das u umgewandelt, vor r zu o (surowiec-siorywky, szczör-schtschor)r sonst zu y (gruda-grydy, kupaplkypy, studnia^stydny, onuda-onyzy u. dgl.). Unverändert erscheint das' xi in: bürs'ztyn, suka.