Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 3-4 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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' ' - _ Ö . •. - " Das . ö klingt im Jd. vor einem' Doppelko'nsonanten, wiie auiehi vor seh, ch und ck immer wie ein kurzes e: Söldner — seiner, Horner — herner, löschen — leschen, Löcher — techer, blocken — btekyn usw. Vor einem einfachen Konsonanteni lautejf das - ö im Jd. dem ej gleich.. In jenen westlichen Gebieten des' Südjd., wo das« alte e wie aj von den Juden gesprochen \vjird, - so in fast g>anz Galizien und Potar, " klingt auch das ö, im Gegensbtz zum: ä, überall aj, so Flöte — flajt, fclchiön — schajn, bös---bajst, Vögel — fajgl, Stössel — stajssl, löten — lajten, Krön'el — krajndf, Oefenel (kleiner Ofen) —\ AjVndt, Röhre — rajr. In einigen Fällen bleibt jedoch d'ajsi öl unregelmäßig,, auch in GaÜzien-Polen ej: hören — hejrn, mögen — mejgn^ möglich mejglach. Eigentümlich ist es;, daß das Jiddisch in diesem Falle nicht an das mhd. mügen, müglich anknüpft. Bei einigen Worten tritt im Südjd. an Stel'le des! ö «in i. Die Wörter *Köinig, gönnen, lau^tenim Südjd. Itynig, gynnen. Die Ursache liegt darin, daß diese Wörter auf mild, kiunic, gunlnen. Die Ursache liegt darin, daß diese Wörter aufsches u umgelautet wird.. U Nhd# kurzes u vor r Imtet im Jd„ zumeist o, so: Wurm — worym, T|urm torym, Durst r— dorscht, Wurzel — Worzl, kurz — korz^ Gurgel <— gorgl, Furcht — forcht", so1 auch polin. szcör — jd;V schtschor, surowiec — soryfky, hürt — hiart, Turka — torky, manchesmal a: durstig: —- dorschtik. „Nur" war im Mhd. lang, ist aber im Nhd. kurz. Es erfuhr im1 Jd.eine Umwandlung in ,>tnorV;. O vor Liquiden für u ist auch in den Dialekten des östlichen Deutschland verbreitet. Im Bayr. wird beobachtet: Worm, Gort, dorschtigl (Weinhold II 37)^ Das Schlesische, das das. alte u in ^.Sunne" nach' nhd|. Muster bändelte, setzte diese Lautverändeiung auch vor r fprt, Mo das Nhd. dies nicht getan hat, so z« B. bei Wurm — Worin (Rücken 41). O wiurde in Deutschland vor r auch in der mhd. Periode zuweilen gegenüber dem Nhd* allgemein, vorgezogen, sp: gorgeln, gorge fjür gurgeln^ gur e. Wahrscheinlich waren hier äußere Gründe maßgebend, die Rücksicht ^auf das franz. gorge (Lexer 1105). Das siüdjd., in der traditionellen Uebertragung der Bibel gebrauchte „enspoist" für nverlobt" halt sein Analogon im niederösterr. Gspussi* jedoch stammt dieses pi nichit aus einem u, spndern ist Ersatz eines ,.ou". Im Mhd;. gab es neben „slpunzierenj" ia;uch; ,^sponzieren" und ,*sponsieren", alle aus dem lat. sponsare für fjverioben". Im Jd. wurde das u zu einem i. In Westdeutschland sprechen allerdings die« Juden im' 16. Jahirh. entsjpusen (A,Lj. LV),a nach der. jüngeren Form des bayrischen Südens;. U wird zu o,-außer vor r, n[ur im* Worte ^Gelbsucht" „gelby sodh". Sonstiges u ist inj1 f Nordjiddisch Litauens unverändert. Ebensowenig litt die Integrität des u m alten! anderen Fällen.' in Posen:. Die dmti*- gen Juden sprachen „tut" mit richtigem ,u, obwohl im Uebrigen ihr