Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 3-4 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/2638044-2638076-2638078--1904-2639278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
isdhe in den nördlichen Strichen! als1 ej. Nun stehet dieses Chola-rri bT, bezw. ej in genauer Uebereinstim'mung mit der Diphthongisierungi nur lies langen 6 in deutschen Worten. Die Cholamv-Ausspräche ah &i ist sekundär und hat darum' keine Anialog^e in der Aussprache des betreffenden diakritischen. Zeichens' bei den Juden anderer Gegenden. Anders steht es mit dem älteren litaujsch!-j(üdis!chen ej für Choliamj. Diese Aussprache ist bei den Juden des Ostens sehr verbreitet. Die nädhsten orientalischen Juden, die Bekenner des Mosaismus im Kaukasus, die Juden Daghestans sprechen das Cholaimwie ö, wobei die Lippen stark zusammengezogen werden. In Jemen wird das Cholam "wie äu ausgesprochen, mit besonderer Betonung 'des ä. In Aden klingt dies ä wie ej. Die Samaritaner, für die im allgemeinen Cholam1 wie u gilt (mit gutturalem ou), spredhen in manchen Fällen auch das Cholam Wie ej (MGWJ LVil, 539, 547), Die laus dem Orient über den Kau^ "kasus nach dem slavische'n Mitteleuropa eingewanderten» Juden waren demnadh von Haus aus mit der ej-Aussprache für o ausgestattet und* übertrugen dann bei Rezeption der deutschen Sprache die im' hebräischen Lautstand verankerte Eigentümlichkeit auch auf die deutschen Worte Und Wandeltenn jedes deutsehe, dem Cholam entsprechende lange 6 in ein ej, das dann bei einem sehr großen Teile der Ostjuden inein oii umlautete. Das Aequivalerrt flür das' Kam|e;z katan» das kurze 9^ blieb geradeste, wie jenes, auch im' Jd. unverändert. Die einstige Verbreitung der ej-Aussprache des 6 auch im Südjd. hat zahlreiche Spuren bei den Juden! in Gegenden weit jenseits .von- Litauen hinterlassen. In Galiziseh-Podolien findet sich in. den hebräischen Lehnwörtern zuweilen e für Cholam : *ntD ter, NlETlil -hermyny. Infolge der üblichen Um'vvaindljuing des ej zu oi wurde im Südjjdl. mitunter auch m&ndhes edhte ej, dajs! [nlchlt aus o herstammte^ zu oi, ivvije in kehlen —* koilyfn, Jesus! — joisl Deo* litauische Jude spricht VÜdhtijg kejln, jejsl. Die deutschen Juden, die die deutsche Spradhe nach Polen br^adhften^ konnten nidht umhin, auch von ihrer spezifischeui Ausspradhe so man^, ehe Eigentümlidhkeit auf die Osftjuden zu übertragen,. Die Ostjuden reden nach West jiddischem' Muster oubaeht für obacht, milgroum! für Milgram (neben milgram). Chol;am in Einzelsilben mit bloß einem Konsonanten wird (im Jd. Westgaliziens und Polens in hebräischen Lehbwlörtern immer wie 0 gesfcrodhen (jom, kofy schor). Dies ist gewiß ein Rest der einst in flwej:$etn Teilen 'Deutschlands üblichen, wesd> jüdisdhen Aussjprache des o. In slawisdhen Worten wird das o, das originär kurz ist^ in einer großen Anzahl von Worten in ein oi umgestaltet, so in plot — piaft;,- koL— koit (Zaunpfahl), komin, —-koimyn, kosz — koisch, stoß — stoiss, kojacz — koüytsdhj, Borbka — boibrik, zydaczow — zydy* tschow. Dodh weit zahlreidher sind die slawisidhen Worte im! Jd., deren o unverändert geblieben ist, so lofpa^taj, losic, kopa, biota£ chaiwac; smola, rog!al' Polak, Tarnopol1. Kolomyjap, Boryslaw';. Es scheint sich bei dem unveränderten o um jüngeres Lehnggut zu handeln.