Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 3-4 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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angeben, warum mit Choliam-ou das1 lange deutsche 6 bei den Juden nicht Schritt hielt. Die weitere Diphthongisiierung des 6-ou im Munde der Juden, deren erstes Auftauchen w'ir erste seit dem' 17. :jahrh. wahrnehmen, läßt sich sekundär aus dem' Gegensatz erklären, der hinsichtlich des Cholam zwischen den Juden des deutschen Südens und Ostens einerseits und denen des Nordens und Westens andererseits bestand. Da der südostdeutsche Jude wiahrnahm, daß in hebräischen Worten bei ihm' oisfw-ar, was bei efynem anderen Teile * der deutschen Juden, ö lautete, glaubfte er, daß für ihn überhaupt der lange 6-Vokal ,ou-Wert habe udd so übertrug er diesen Diphthong auch auf deutsche Worte; was dann im Laufe desj 18. Jahrhsf. 'audh zu den anderen deutschen Juden gelangte. Daß hie beidie wiest- und norddeutsche Diphthongir sierung des o von einem1 gewissen, wenn auch gewiß nicht mehr als: subsidiären Einfluß sein koninte, ist wohl nicWt ganiz unmöglich. Analogien hierzu gibt es auf deutschem Sprachgebiete, hauptsächlich in Mitteldeutschland. In (der Mundart von Tilliach im Pustertal und von Oberplan im Böhmerwiald wird o\ für o gesprochen: toit, Noit, groiß, Troist, Dojchter (Weinhold II, 100). In Franken (in Schöppachs Hennebergischem Urkundenbuch) steht nodh-noich, toydes-todes, (Rückert 113). Im Kölnischen Dialekt des1 15. Jahrhs1. steht konsequent für jedes o der Laut oi (Broid, groiß, verloiren, Troist, Doichfter). Selbst das Englische bietet dafür Beispiele: vox-voice, spolium-spoil, oleumoil, auch claustrum-clbister. Alle diese Analogien treffen jedoch nicht ganz zu, sie erstrecken ihre Diphthongisiierung auf jedes o, - während bei den Juden das.' o zu oi nur bei langem 6 wird. - Sodann hat die Heranziehung! von Beispielen für die Aussprache der südjiddischen Judenheit noch eine Sdhwierijgkeit. Wie bereits wiederholt betont würde, ist der phonetische Tatbestand im! Südjiddischen kein primärer mehr. So wie die Judeji die Laute in ihrem Südjjddisch; sprechen, klangen dieselben nicht, da ihre! Ahnen( aus: Deutschland kamen.. Es: wäre daher illusorisch, flür den heutigen Lautsjtjand des! Süd jiddischen Parallelelen in Deutschland zu suchen. Vor allem muß der ältere Lautstand der osteuropäischen Juden eruiert werden. Konservativere, archaistische L\autforrnen finden sich im! Nord jiddischen, in der Mundart, der litauischen Juden. Dies erwähnten wiir bereits5 hinsichtlidh des ä und des i. Die litauischen Juden sprechen an Stelle des deutschen 6 den Laut cj. Wir müssen also dieses! o-ej als primjär, als dje ursprüngliche Lautform des osteuropäischen Jiddisch, ansehen. Der Uebergang vom nordjiddischen ej zum' südjiddischen oi erinnert an das Verhältnis des griechischen Oidypos zum späteren Oedypos in umgekehrter Beziehung.. Eine Parallele zur ej-Aussprache des o ist mir aus ^deutschen Mundarten nicht bekannt. Zunächjst würde hier vielleicht das mittelhochdeutsche Schlesisch in Betracht zu ziehen sein, dessen zuweilen vorkommendes oi für o,- nach Rückert, nur eine Nebenform . von oe sein soll. Es wird sich empfehlen, ♦ hinsichtlich des ej-Lautwandelsi genetische Untersuchungen nach innen anzustellen. Der südpolnischukrainisdhi-ungarische Jude spricht hebräisdhes Cholam' als oi, der litau-