Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 3-4 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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lange, höchstens vor einem1 Konsonanten stehende o diphthongisiert^ während das kurze o vor zwei Konsonanten im Jd. immer integer bleibt (Dorf, Morgen. dort, hoffen) *) Wie kommt es!, daß das Cholanr in Deutschland bei'einem Teile der Juden schon im 16. Jahrh. nachweisbar ou wurde? Man könnte an eine alte Tradition denken;. Es gibt im Orient einige Judengruppen, die hinsichtlich der Cholam-Aussprache mit den deutschen Juden übereinstimmen, so die Juden Nordpersiens und Babylon;es, \va das Cholaim o-j-u lautet. .-) Eine gegenteilige Haltung, nehmen die Wesfe Juden ein. Die S!pagnolen sprechen das Cholam durchwegs als o. In Italien war Cholam in der Transkription des Italienischen immer das, Zeichen für p..3) Auch im Frankreich des 14. Jahrhs. bediente nian sich des Waw tür o.4) In Deutschland, wo bei hebräischen Worten das ou schon frühzeitig in zahlreichen Judengemeinden für LCholam gesprochen wurde, schrieb man das o in deutschen Worten ebenso mit Cholam, das ou in deutschen Worten gab man hingegen mit einem ganzen Komplex von Schriftzeichen wieder. Der Einfluß der Cholam-o-Gruppe unter den deutschen Juden veranlaßte dies'. In den griechischen Lehnwörtern im Talmud wird das Omega ausnahmslos mit Waw (Cholam) geschrieben (Kraus 21), allerdings wird vereinzelt auch bei klassischen Entlehnungen im1 Talmud das au mit Waw umschrieben (gr. augepIK )fJ jedoch isit es möglich, daß dieses Wa\vt gar nicht auf einen Chol am-Vokal hinweist, sondern trotz der Einfachheit konsonantisch aufzufassen ist, wieX^jnnXgr. authentia (ib. .23).. Griechisches au mit aw transkribieren auch Araber und . Aethiopier (Renan 29). In der Septuaginta wird der Choiarn in der Regel mit einem o-Laut transkribiert, jedoch in manchen Fällen, zweifellos aus. rein theoretischen? lebensfernen, pedantischen Beweggründen, wird das Cholam, wenn ein Waw Quiesicens folgt, mit einem: au- Diphthong* umschrieben (Nabau, Annan), aber nicht immer, so zum Beispiel Joseph, Enos. Dieser Grundsatz, das Cholam plenum mit einem au wiederzugebein, wurde von den Septuagiulta- Doimetschern mit einer doktrinären, an weltfremde Gelehrtenweisheit gemahnenden Konsequenz durchgeführt. Der Eigenname Hosea wird daher auf verschiedene Weiset in der Sfcptuaginta transkribiert: Ause und Osee. je nachdem1 es mtft einem ouieszierenden Wia'w; oder ohne dieses im hebräischein Text vorliegt (Frankel 116). Im Volksmunde hatte Hosea gewiß nur einen Namen. Philo schrieb durchaus Osee/') Die Kirchenväter sahen oft die doktrinäre Schreibweise des vollen Cholam als au als maßgebend au und schrieben in der Reget- ') ZGJD 256. 2) MGWJ LVII 71. 3) Sacerdote in RendiconM dellä R. Ac. dei Lincei etc. 4) Roroania III. 468. *} Siegfried: Philologische Studien im Archiv für wiss. Erforschung des. A. T. hg von A. Merx II 143.