Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1919-01-01 · 3-4 (1919) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
21 (1919)
Issue
3-4 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 39 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2638044-2638076-2638078--1900-2639274
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

jedoch bereits grouss statt gross,,1). Im Jähre 1767 berichtet Gottfried Selig, daß die Juden „Brot" ,',Braud'' s|prechenv In \einem Attonaer Lied aus der Mitte des' 19f Jahrhsf. helißit es Mjgrauss, Kraun". to -heutigen Eläässer Jiddisch sagt man sijtiatt rojte-routi (Weiss 127, Haller 117)?).. Diese Erscheinung des Diphthongs, der im jd;. Dialekt der deutschen Juden erst so spät Eingang fand, muß auf interne Ursache** zurückzuführen sein. Bei dem' gesteigerten Separatismus des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhst ist es unmöglich anzunehmen, daß mundartlicher Christlicher Einfluß des westlichen Mitteldeutschland oder das Plaitt — in baj. Landen wohnten damals mit Ausnahme weniger Landstriche überhaupt keine Juden —- die Aussprache der Juden hätte damals auf eine bisher ihnen ungewöhnliche W^ise modifizieren können. Wir Jmüssen hiebei nach Ursachen der 'Diphthongisierung des o bei den Juden selber suchen. } Ein großer Teil der deutschen Juden sprach viel früher, als bei deutschen Worten, bei hebräischen Entlehnungen für o-ou. Ein christlidher Autor zitiert im Jahre 1365 das im Jd. übliche hebräische Wort j schaute" mit dem Diphthouig au für Cholam (schote)/), Das Wort Schautet für Schofet kommft im Titel eines satirischen, von einem Christen verfaßten. Buches im Jahre 1639 vor.4) Wagenseil, der von einem; o-ou bei deutschen Worten im Jd, nichts vernahm, schreibt, daß Christen glauben, „ein jeder Jude heiße Mauschel und daß Mausend und *veiA Jude ein Ding «sein" (88);, alsio lautete es bei den Juden da|m/al;s! Mausche statt Mosche. Allerdings, hat die ou-Aussprache des Chol'ams, das im 14, und 15. Jahrh., wenigstens be,i den Alpenjuden, u. lautete^ auch später sich nie auf die gesamte deutsche Judenschaft ausgedehnt. Gegen Ende des 17. Jahrhs1. reimte ein jd. Versi'fex in WormsTlt7i"tp mit rttyp. Da das Kamez Gadel bei den deutschen Juden unbedingt o lautete, und also ^koschlo" zu lesen ist?, 'muß durch das reimende Parallelwort kdoscho damals in Worms gesprochen worden sein. Heute sprechen die Juden Schlesiens, Bayerns und Wiens das Cholam als ou, dagegen die Preußens, Badens[, Mährens wie o (Jewish EnC. X, 211). Die Diphthongisierung des deutschen 6 bei den Juden entstand also als eine spätere Begleiterscheinung des Diphthongs Cholam und ist als eine Anlehnung an dasselbe, als eine Uebertragung einer phonetischen Eigentümlichkeit der Aussprache das Hebräischen bei einem großen Teile der deutschen Juden auch auf die deutschen Worte bei den Juden anzusehen. Wäre das jd. ou für 6 .wirklich eine mundartliche Entlehnung aus dem Deutschen, so hätten die Juden auch, wie es fast überall, wo das o< in Deutschland diphthongisiert wird, der Fall ist, auch das im Nhd. kurze o zu \einem Doppellaut umbilden müssen. Doch ist im Jd. nur das entweder im Mhd. oder im* Nhd. ') Grunwald, Hamburgs deutsche Juden 219. 2) Mitt. z. jüd. Volksk. 1902, 145. 3) Kirchoff, Wendunmuth, vgl. Kluge s. v. 4) Ein gar schönes Lied usw. (ZfhB VI, 186).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.