Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 3-4 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 6)
- Language
- German
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jiddisidher Einfluß eingewirkt habe|nj, wie es auch möglich ist, daß das Zipser Deutstah bloß der Ueberrest eines ehemals, bei allen, in'Polen um! die Wende des Mittelalters .ansässigein zahlreichen christlichen Deutschen gesprochenen Idiomes darstellt, dessen Niederschlag auch im' Jiddischen sichtbar ist. O, das im Mhd. anders! (lautete<? besitzt, im Jd. einen Vok|a!k der seinem mhd. Lautstand entspricht. Dais hochdeutsche ^Mohn" lautet im Südjiddischen mühn, da die mhd. Form1 „mähen" war (Lexer 1. 2012) und der Jude mhfdj. lanfees» ä in den Siüjdlichen »Gebieten immer durch u ersetzt. Die hochdeutschen Worte: voll, fromm, Sommer, Sonne, Von«, kommen uslw. werden im Süd jiddischen fyl, frym^ symer, syn, iynl} kymen (inr Süjdjd. und im' ehemaligen Westjd.: ful, frumi, suiner. sun, fun, kurnen mit kurzem u). d;a dieselben Worte au'cln im Mhd, eine Sonderstellung einnahmen und auf u lauteten (vull, vrum, sumer, sunne, vun<, kumen Nebenform zu komen) (Weinhold II 43). Das alte u statt nhd. o lebt bis heute in JHesißdni fort (Reiss 59) wie audh in Bayern. Nhd. Sohn; w£rdim Jdf ^y)n9 im Lit;. Jd. süu, mitf langem ü gesprochen, da es im Mhd. zum Unterschied von Sonnesühne mit kurzem u, sün mit langem ü, oft auch mit Diphthong suon klang. Nhd. Los heißt im Jd. lous, zweifellos weil es nicht auf 16z (dasLos), sondern; auf lüß! (durch das Lps zugefallener Teil) zurückgeht (Lexer 1 1999), In Analogie zu Hous-.Haus! (hbüs), Soum*Saum {sbuim), \vurde aus lus im! Jd. lous. , - Einige hebräische Lehr/wiörter mi<t cholarn (6) wurden im1 Süd jiddischen nicht zu einem oi;, nur zu einem .u lumgelauteti, so z. ■ Bi. mossier jd. müjsser, ISHI^ gorisch — jd. gurysich. Aehnliches läßt sich bei den &;jipenländischen Juden des Mittelalters feststellen.1) In einem Villacher Dokument aus ^dem Jahre 1310 (kommt Musidblühn) (Mosche - Leben); Vor, in einem Schriftstück aus Sachsenfeld in Steiermark aus dem1 Jahre 1365 erscheint Müsch (Mosch);, Im1 Liber Judaeorum iaus Wr.i Neustadt des 15. Jahrhs). lesen fwir Muschl, Mus'chrat (Eibensdhütz- "Sclrweinbürg 20, 23 LJN 22, 26). Mussei unter Zeugen von Regens*- burg: im Jahre 1210 (Aronius 381, 169). Dieses rührt gewiß von einer, besonderen Aussprache des hebräischen Cholam; als u bei den alpenländischen Juden her, die slidh einst nicht bjoß auf die Eigennamen beschränkte oder mit den 'wenigen Resten im heutigen Jiddisch begnügte. Bei slavischen Worten im! Jd. wird o zu u in golic-giuln (rasieren). Die u-Ausisprache des Cholam' ist eine sehr alte Abweichung. Die Phönizier (Punier) sprachen, iwie aus von Kirchenvätern zitierten Worten hervorgeht, zuweilen für Cholam* o (Alon J'&j;, Salom Dl^/ Thorllty), aber nodh viel öfter u (Suffet ttälfc*/ Eliun p^j?,- Salus JSrfap, rufe — NSIl)"). Bei Plautus erscheint das Cholam manchmal mit y *) A. Rosenberg: Geschichte der Juden in Steiermark, 152, 158. 2) W. Gesenius: GescMchte der hebräischen Sprache und Schrift 22^- Excurs zu § 7, Leipzig 18l5.