Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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-mild, ei-a, während mhd. i-ai klingt (Lexer KWB X), auch sonst ist in der bayerischen Volkssprache die Verengung von ei zu ä früh eingetreten (Weinhold, II 79). Der heutige Bayer unterscheidet zwischen altem; und neuem ei auf diese Weise, daß das erste wie ai mehr nach o neigt, das neue mehr wie ai gesprochen wird (ib 79). Mit der bajuvarischen Aussprache stimmt das sächsische Vogtland überein, wo mhd. ei zu a geworden ist (Gebert 23), so auch in einzelnen Gegenden Schlesiens (Waniek 47). A tur ei ist in den entlegensten Gebieten der Germanen anzutreffen. Im Altenglischen war Stein-stan, heißen-haten Geist-gast usw. (Karl D. Bübring: Altenglisches Elementarbuch I. Heidelberg 1902). Die i Diphtongisierung vollzog sich nicht im alemannischen Oberdeutschen, wo die alten mhd. Längen bis heute fortdauern (Weinhold I 51). Diese Tatsache ist ins Auge zu fassen, sie beweist die prinzipielle Verschiedenheit von Jd. und Alemannisch. Es ist daher jede Heranziehung der alemannischen. Mundart bei Erforschung der Eigentümlichkeiten d jiddischen Sprache a limine abzuweisen. Unwesentliche, se~ kundäro Beeinflussungen werden dadurch allerdings nicht präjudiziert JEher bietet sdbon das Schwäbische für die ej Aussprache das mhd. ei im Nordjd. Parallelen. Für die osteuropäische Aussprache der beiden ei (altes ei und mhd. i) bietet Deutschland nicht wenige Analogien. In Schlesien ist mhd. ei gleich e (seltener ei), dagegen mhd. i lautet ei (Rückert 45). Näher steht noch Ostthüringen, das fast ganz bezüglich dieser beiden Diphthonge mit der nordji^dischen Aussprache übereinstimmt: mhd. i—ai (Waib), mhd. ei - e (Been-Bein). (Reiss Ma. 122). Mhd. i —a kommt nur bei einzelnen Worten (leidest-ladst, schneidest-schnadst) im Omd. Nordwestböhmens vor (Hausenblas 59). Im fränkischen Dialekt Sachsen- Meiningens ist ebenso i—ai (Zeitschrift für hd. Ma. III. 103). Weiter gegen Westen in Mitteldeutschland, in Teilen der Pfalz und im Hessischen ist der erste Teil des Doppellautes ai für i verlängert worden, so daß man „baai, draai, laait, glaaich" hört. Indem ajber das a in ai verlän^ gert wurde, mußte der zweite Teil dieses Doppellautes geschwächt werden und die Schwächung ging hie und da bis zum Wegfall des i. In Oberhessen heißt es viellaach (Reiß Ma. 82), die westmitteldeutsche Aussprache des mhd. i steht dem Südjd. näher, die omd. dem nordjüd., doch hat dies nichts zu besagen. Die südjd. Aussprache des mhd, i ist nichts anderes als eire Varietät des diesbezüglichen nordjd. und benötigt keines besonderen Ursprungsnachweises. Mit der Entwicklung des mhd. \ zu ai bezw; a hielt das lange i im Hebräischen in der Aussprache der aschkenasischen Juden nirgends Schritt. Chirek gadol blieb i, der Üebergang von .nordjd. ai zu südjd. a hat eher, weil autonom, manche Spuren in der Pronunziation des Hebräischen im südlichen Osteuropa hinterlassen. Eu wird im Jd. vielgestaltig entsprochen, zuweilen durch ein ä(-a-) bezw. im Nordjd. aj, so z. B. Freund-fraand, deuten-taaten, deutsche