Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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— 27 - baassn (beißen), maan (mein), daan (dein), saan (sein) (in Litauen rajch^ ajsn, bajssn usw.) Diese Verschiedenheit rührt daher, daß der nhd.. Vokalismus ein Nivellierungsprodukt ist, das über verschiedene historische Vokalformen der mhd. Sprache uniformierend fuhr, und der Jude auf ein älteres Lautstadium zurückgeht. Das „ei" in klein, rein,. Bein, weinen ist ,es ein alter, organischer Diphtong, wird daher auch In Osteuropa bei den Juden als solcher überall beibehalten. Anders ist es jedoch mit den Worten Wein, Eisen, beißen usw., hier war im Mhd. ein Langes i, das noch bi> heute im Alemannischen fortdauert, und lautete: win, isen, biz'en, min, din, sin, es mußte daher im Jd., das unmittelbar an das Mhd. anknüpft und treui den Zusammenhang wahrt, eigene Wege gehen und einen gesonderten vokalischen Ausdruck bekommen. Ausnahmsweise wird im Südjd. altes ei zu a, wenn nachfolgendes n wegfällt (kein ka, ein a). Die deutschen Juden des XVIII. Jahrh., im territorialen Zusammenhang mit dem deutschen Volke lebend, unterschieden nicht mehr zwischen altem und neuem ei und sprachen für jedes nhd. ei gleichmäßig a: ahns (eins, mhd!. ein), Flasch (Fleisch, mhd. vleisch) und sahn (sein, mhd. s;in).1) In Böhmen dagegen erhielt sich bei den Juden der Unterschied zwischen beiden ei noch im XIX. Jahrh., wenn auch die Aussprache gerade eine der der Ostjuden entgegengesetzte war: mhd. ei wurde zu a (ans, zwa)/) Auch im nördlichsten Deutschland hielt sich bei den dortigen Juden bis ins XIX. Jahrhundert das mhd. ei nach ostjüdischem Muster: weiß von wissen3). Wie weit die ethnographisch deutschjd. Nivellierung des ei zurückreicht, läßt sich kaum feststellen, da * eine vielleicht vorhandene Verschiedenheit zwischen aj und ej, wie sie heute in Litauen und wahrscheinlich auch früher im Südjiddisch und darüber hinaus westlich bestanden hat, mit jüdischen Schriftzeichen nach der bisherigen Praxis nicht wiedergeben werden kann und dafür die jd. Texte sich diesbezüglich nicht kontrollieren lassen. In den Texten bei Buxtorf wird Zeir (mhd. zit) und Kleid gleichmäßig geschrieben (657). Levita schreibt das alte ei in Urteil (43) und das unechte ei (mhd. i) in beiden (187) Gleichnissen (41) mit ganz demselben Doppel jod. Allerdings schreibt er es mit einem Zwischenvokal alef vor dem Doppeljod (Mli^KÖ) (109). Nicht ausgeschlossen, daß darin sich ein Versuch kund tut, das „aj" von „ej" zu scheiden. Die Aussprache des ei als a isj: bajuvarisch. Während die böhmischen Juden nur das alte ei ä und die südlichen Ostjuden nur das neue ei ä und die ehetaiafc jd. sprechenden deutschen Juden jedes ei überhaupt a sprachen, lautet es im Kärntnerisch gerade in Uebereinstimmung mit den Lautverhältnissen des früheren böhmischen Jd.. J) Chrysander: Unterricht und Nutzen des Jüdiseh-Teutschen. 8) Mitteilungen zur jüd. Volkskunde, 1899 138, Heft 1. a) ib. 1902, 45. * 4*